139^140. Andere merkwürdige Folgen d. Störungen d. Plan.
dem Gesetze der Trägheit (H. 20) dieselbe bleiben, so lange die Größe,das Volum der Erde dieselbe blieb. Aber eben dieses Volum nahm, durchdie allmählige Verkühlung der Erde, immerwährend ab, und was ist dieFolge die>er Abnahme? — Offenbar eine Vermehrung der Geschwindig-keit, eine schnellere Drehung der Erde um ihre Axe. 'Ganz eben so wirdein Rad, mit derselben Kraft angestoßen, sich desto geschwinder dre-hen, je kleiner dasselbe ist, und umgekehrt. — Die Erde muß also, wennalles Vorhergehende richtig ist, sich jetzt schneller drehen, als in der Vor-zeit, der ^.ag^ muß jetzt kürzer seyn, als er ehedem gewesen ist, undwenn wir wissen konnten, wie viel der Tag kürzer geworden ist, so wür-den wir auch ein Mittel haben, zu messen, wie viel die Erde kleiner, jaselbst wie viel sie kälter geworden ist, als sie vor einer bestimmten An-zahl von Jahrtausenden gewesen seyn mag.
130. < Diese Wirkung der Temperatur auf die Rotation der Erde istunmerklich.) Äiesi würde uns demnach auf eine andere, so oft aufgewor-fene Frage führen: ob eS^vahr ist, wie die älteren Leute vorzüglich sogern klagen, daß unsere Sommer nicht mehr so warm sind, als sie inder Vorzeit gewesen seyn sollen.
ES könnte seyn, wenn nämlich der Tag jetzt in der That um vieleskürzer ist, als er früher war. Allein wir haben oben (§. 130) gefunden,daß die Länge des Tages seit dem Anfange unserer Zeitrechnung gewißnicht einmal um den hundertsten Theil einer Secunde kleiner gewordenist. — Nehmen wir an, daß die mittlere Temperatur der ganzenErde, nicht bloß die der Oberfläche derselben, seit zwei Jahrtausendenum einen Grad deö Thermometers R. sich vermindert habe. Nehmenwir noch an, daß die Masse, aus welcher die Erde besteht, sich im All-gemeinen nur so wenig, als das Glas, d. h. um seinen hunderttausend-sten Theil für jeden Grad des Thermometers ausdehne, daß also auchdas ganze Volum der Erde seit jener Zeit um seinen hunderttausendstenTheil kleiner geworden sey. Die Mechanik lehrt uns, daß bei einer sol-chen Verminderung der Erdkugel die Geschwindigkeit der Umdrehung der-selben um ihre Axe um ihren Mvooo Theil vergrößert, daß also auch derTag von 80400 Secunden um seinen ^"Moonosten Theil, das heißt, umU/t« Secunde verkürzt würbe. Allein er wurde, wie wir gesehen haben,in der That nicht einmal um den hundertsten Theil einer Secunde ver-kürzt, eine Größe, die I70mal kleiner ist, als !//,<, Secunden. Also istauch die oben angenommene Abkühlung der Erde, ein Grad für 2000Jahre, I70mal größer, als man sie diesen Schlüssen gemäß, annehmenkann, oder mit andern Worten: die mittlere Temperatur der Erde kannseit den letzten zwei Jahrtausenden noch nicht um den Mussten Theil ei-nes Grades Reanmur abgenommen haben. Die Klagen, welche unserealten Leute, diese Inmlutores teimwri« ueti, über die Abnahme derWärme der Erde so gern anstimmen, sind daher ungegründet, so weitnämlich diese Abnahme von der seitdem Statt gehabten Abkühlung derganzen Masse der Erde, und von dem Zurückziehen jenes CentralfeuerSgegen den Mittelpunkt der Erde kommen soll.
ß. 140. (Verhalten der Temperatur auf der Oberfläche der Erde.) Ganz
anders aber verhält eS sich auf der Oberfläche der Erde. Hier bewirktnicht bloß jenes Centralfeuer, sondern auch die Gegenwart der Sonnen-strahlen, und zwar diese letzten in einem viel höheren Grad, als jenes,die von uns auf dieser Oberfläche beobachtete Temperatur. Zwar behaup-teten Mairan, Buffon und Bailly, daß der Beitrag, den dieses Central-teuer zu der Temperatur der Oberfläche der Erde liefere, denjenigen,welcher von der unmittelbaren Wirkung der Sonnenstrahlen komme, im
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