§. il4. Ebbe u. Fluth d. Meeres und d. Atmosphäre d. Erde. gz,
Reibung seiner Theile, die Unebenheiten des Meerbodens n. dgl. dieserBewegung desselben mehrere Hindernisse entgegen setzen. Aus derselbenUrsache fällt bekanntlich auch die größte Hitze des Tages nicht auf denMittag, sondern 1'/- oder 2 Stunden später, so wie die höchste Tempe-ratur des Jahres nicht auf den Augenblick des Sommersolstitiums, wodie Sonne am höchsten steht, sondern mehr als einen Monat später fällt,weil die Accumulation der Wärme ebenfalls nur allmählig fortschreitetund sich selbst nach dem höchsten Stande der Sonne noch einige Zeitdurch anhäuft.
Es wurde bereits gesagt, daß alle die Orte, welche mit den Punk-ten ^ und L ur demselben Meridian liegen, zu gleicher Zeit ihre Flu-chen haben, aber in geringerem Grade, offenbar in einem um so gerin-geren, je weiter sie von den beiden Punkten ^ und L entfernt sind. Daaber die Sonne und der Mond sich nie sehr weit von der Ebene desAequators entfernen, so werden auch diese Orte ^ und L, welche diegrößten Fluthen haben, immer in der Nähe des irdischen Aequatorsseyn, oder sie werden in die heiße Zone fallen. Die Fluthen werden alsoin den Tropenländern am größten seyn und immer kleiner werden, jenäher man den beiden Polen der Erde kömmt — Auch dieß ist der Er-fahrung vollkommen gemäß. In Ostindien und an den tropischen KüstenAmerika's steigen diese Fluthen gewöhnlich sehr hoch, obschon sie auchdurch Localursachen an andern O ten oft sehr erhöht werden. In demHafen von St. Malo beträgt diese Höhe gewöhnlich 50 Fuß. In derHtord- und Ostsee ist die Erhebung und Senkung des Meeres schon vielkleiner, und an den nördlichen Küsten von Norwegen bemerkt man siegar nicht mehr, so wenig als in kleineren oder ringsum eingeschlossenenMeeren, wie in dem schwarzen oder dem kaspischen See.
H. 114. (Bestimmung der Mondmasse und Geschichte der Theorie dieser
Erscheinung.) Wenn man den Einfluß, welchen der Mond auf die Fluthhat, von jenem der Sonne geschickt sondert, so geben diese Erscheinun-gen ein gutes Mittel, die Masse des Mondes zu bestimmen. Man hatauf diesem Wege gefunden, daß die Masse dieses Satelliten nahe den75ften Theil der Maqe der Erde beträgt, übereinstimmend mit anderenastronomischen Bestimmungen.
Die Theorie dieser Erscheinungen, in ihrer ganzen Vollständigkeitaufgefaßt, ist übrigens eine der schwersten, mit welchen sich unsere Geo-meter bisher beschäftiget haben, wie schon aus den vielen vergeblichenVersuchen folgt, welche seit Newton's Zeiten angestellt wurden, diesenZweck zu erreichen. Schon Kepler wollte eine solche Theorie liefern, aberdie Analyse war damals noch in einem zu unvollkommenen Zustande,um ein so schwieriges Problem genügend aufzulösen. Galilei, der dieAnsicht Kepler's bekämpfte, stellte eine andere auf, die aber eben so we-uig angenommen zu werden verdiente. Newton, der den Gegenstand zu-erst aus dem wahren Gesichtspunkte betrachtete, stellte seine Theorie imJahre 1687 auf. Allein so richtig auch seine Ideen waren, so bedurftensie doch noch einer großen Entwicklung und Ausbildung, um den Ersehet-nungen der Natur vollkommen zu genügen. Im Jahre 1738 machte diek. Akademie der Wissenschaften zu Paris dieses Problem zum Gegen-stande einer Preisfrage, die vier gekrönte Memoiren zur Holge hatte.Die drei ersten waren von Daniel Bernoulli, Leonhard Euler und Mac-laurin, welche alle mit sehr viel Scharfsinn die von Newton schon frü-her eingeschlagene Bahn verfolgten. Die vierte aber hatte den bekann-ten Jesuiten Cavalleri zum Verfasser, und dieser suchte die gegebeneFrage durch die Anwendung der cartesischen Wirbel zu erklaren, erne auf
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