6V8 Ebbe u. Fluch d. Meeres und d. Atmosphäre d. Erde. §. 109—111.
man für die Dauer derselben 24 Stunden und 50 Minuten, in welchemZeitraum immer zwei Ebben und eben so viele Fluthen sich ereignen.Dieß ist aber genau die Zeit, in welcher der Mond, für jeden Beobach-ter auf der Erde, vermöge der mittleren Bewegung dieses Satelliten,wieder zu seinem Meridian zurückkömmt, eine Zeit, die man den Mond-tag nennen kann, so wie man die Zeit von 24 Stunden zwischen zweinächsten Culminationen der Sonne einen Sonnentag zu nennen pflegt(I. tz. 155).
Wenn also für irgend einen Hafen heute das Hochmeer genau inden Mittag dieses Ortes fällt, oder um 12 Uhr Statt hat, so wird esam ersten folgenden Tag um 12 Uhr 50 Minnren Abends, am zweitenum 1 Uhr 40 Minuten, am dritten um 2 Uhr 30 Minuten eintreten,so daß es täglich um 50 Minuten später kommt, und zwischen je zweisolchen Abendfluthen wird immer auch eine Morgenfluth in der Mitteliegen, von welcher die erste um 12 Uhr 25 Minuten Morgens, die amerftfolgenden Tag um 1 Uhr 15 Minuten, am zweiten um 2 Uhr 10Minuten, am dritten um 3 Uhr 0 Minuten Morgens eintritt u. f. w.Zwar sind diese Intervalle, wie schon gesagt, zuweilen einige Minutengrößer oder kleiner, als sie angegeben wurden, aber eben diese Ungleich-heiten sind nur wieder ein neuer Beweis, daß die ganze Erscheinung vondem Monde kommt, da auch dieser, wie wir oben (Kap. VI.) gesehenhaben, seine Geschwindigkeit sehr stark ändert, und da man, wenn mandie Unregelmäßigkeit beider aufmerksam betrachtet, eine sehr genaueUebereinstimmung zwischen beiden findet.
H. 109. (Ursachen der Ebbe und Fluth.) Doch ist der Mond, zwardie wichtigste, aber keineswegs die einzige Ursache dieser Erscheinungen.Man darf sie in der That nur durch einige Monate beobachtet haben,um zu bemerken, daß die Fluthen, welche zur Zeit des Neu- oder Voll-mondes eintreten, durchaus viel größer, und die der Quadraturen im Ge-gentheile beträchtlich kleiner sind, als die mittleren Fluthen. Wenn mandiese Beobachtungen noch weiter fortsetzt, so findet man, daß die Fluthund eben so die Ebbe immer größer wird, wenn der Mond oder dieSonne der Erde näher kömmt, und daß selbst die Declinationen dieserbeiden Gestirne noch einen Einfluß auf diese Erscheinungen äußern, wo-bei jedoch der des Mondes immer als der überwiegende erkannt wird.
110. (Lokalverhältnisse, welche die Ebbe und Fluch bedingen.) AllesVorhergehende gilt eigentlich nur in seiner ganzen Stärke von großenfreien Meeren, von dem eigentlichen Weltmeere. In kleineren Seen,selbst in dem kaspischen Meere, und überhaupt nahe am Ufer oder inengen Häfen werden die Gewässer in ihrem regelmäßigen Laufe aufge-halten und gestört, und der Moment, selbst die Größe des Hochmeeres,wird dadurch oft bedeutend modificirt. An den Küsten von Frankreichsind diese Zeiten, oft selbst schon für zwei benachbarte Häfen, sehr ver-schieden, obschon sie für einen und denselben Hafen eben so constant sind,wie aus der hohen See. In Dünkirchen z. B. tritt das Hochmeer erstzwölf Stunden nach der Culmination des Mondes ein, und in St. Malo(Breite 48" 39') sechs Stunden später, während am Cap der guten Hoff-nung die Fluth schon l'/z Stunde nach der Culmination des Mondesihre größte Höhe erreicht.
H. 411. (Hafeuetablissement und Totalfluth.) Man pflegt die Zeit seitder Culmination des Mondes, wo das Hochmeer am Tage des Neu-mondes für jeden Hafen eintritt, das cluzioit (e8tab1i8li-luent ob Uie xoit) zu nennen, und man geht von diesem Augenblicke aus,
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