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107 —108. Ebbe n. Flnth d. Meeres und d. Atmosphäre d. Erde.
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verläßt, die es in der Vorzeit so oft durchbrochen hat, um das Festland
der zu ihm zurücksinken. Es ist in der That ein erhabenes Schauspielsür den stillen Zuschauer am User des Meeres, zu sehen, wie die Flu-chen desselben hin und wieder wogen und sich ungestüm an den sie ein-schließenden Gestaden brechen, die sie wechselweise zu erstürmen und >vie-der zu verlassen streben. Daß der Mond in jedem Monate um die Erde,daß die Erde in jedem Jahre um die Sonne, uud in jedem Tage umsich selbst geht —> dieß sind allerdings große und wunderbare Erscheinun-gen. Aber wir fühlen sie nicht uud sind bereits laugst daran gewohnt.Nur das feinere Auge des Geometers uud des Astronomen lehrte unsdiese Bewegungen kennen, die für den größten Theil der übrigen Men-schen beinahe ganz unbemerkt vorüber gehen. Aber dieselben Kräfte,welche diese Phänomene erzeugen, sind auch zugleich die Ursache jenes pe-riodischen und selbst den gleichgültigsten Zuschauer ergreifenden Auf-und Niederwogens des Weltmeeres, in welchem die Natur, die sonstihre Geheimnisse der allgemeinen Schwere so sorgfältig vor unseren Bli-cken zu verbergen scheint, uns dieselben mit großen unverkennbaren undselbst den rohesten Wilden verständlichen Charakteren geoffenbart hat.
§. 167. (Erscheinung der Ebbe und Fluch im Allgemeinen.) Zweimalan jedem Tage erheben uud senken sich die Gewässer des Oceans in im-mer wieder kommender regelmäßiger Folge. Die ersten sechs Stundendes Tages sind sie im Steigen begriffen; sie überschwemmen ihre flachenGestade, suchen die steilen Küsten zu erstürmen und dringen in die Mün-dungen der Flüsse ein, um sie meilenweit vor ihren Usern anzuschwellen.Dieß ist die Zeit der Flnth (lwx). Wenn das Wasser seine größteHöhe erreicht hat, verweilt es daselbst als Hochmeer (Inuiw i»m).Bald darauf sinkt es eben so regelmäßig wieder zu seiner^ersten Tiefeherab, die Zeit der Ebbe (uellux), die ebenfalls nahe sechs stunden dau
ert, bis es seine größte ^ ^ '
Zeit verweilt, um dannin derselben Ordnung
Diese Bewegungen des Weltmeeres werden allerdings durch die Wir-kung der Winde vermehrt, aber sie entspringen nicht aus ihnen, da mandie Ebbe und Flnth auch bei dem stillsten Wetter und dem reinsten Him-mel immer in derselben Ordnung abwechseln sieht. Diese Ordnung istso groß, daß man die verschiedenen Momente dieser Erscheinungen fürverschiedene Orte selbst auf ganze Jahre mit derselben Sicherheit voraus-sagen kann, mit welcher die Astronomen die Finsternisse der Sonne unddes Mondes bestimmen.
§. 168. (Perioden der Ebbe und Fluch.) Diese Regelmäßigkeit desPhänomens seht eine eben so regelmäßige und dauernde Ursache voraus,welche jene Wirkungen hervorbringt. Um diese Ursache zu entdecken,muß man diese Erscheinungen selbst durch eine längere Zeit aufmerksambeobachten und vor Allem die Perioden bestimmen, in welchem sie wie-derkehren. Man fand auf diese Art, daß diese Perioden mit dem Mo-dischen Mondmonat (I. H. «8 und 162), das heißt, nur der ^ett desNeu- und Vollmondes in auffallendem Zusammenhange stehen, und daßsie besonders von den Stellungen des Mondes gegen die Erde abhängen.Zwar sind diese Perioden nicht immer gleich unter einander, aber wennman aus mehreren aus einander folgenden das Mittel nimmt, so erhält
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