z. 88. Säculäre Störungen Z9Z
das sich gegen dieselbe zu erheben schien, immer nur der Gegenstand eines
neuen Triumphes für sie wurde.
H. 88. (Acceleration der mittleren Bewegung des Mondes.) Einenähnlichen Fall, der den Astronomen noch mehr Mühe kostete, bot dieBeobachtung der mittleren Bewegung des Mondes dar. Es ist be-reits oben (Kap. Vl.) gesagt worden, daß die Umlaufszeit der Planetenum die Sonne, also auch die der Satelliten um ihre Hauptplaneten austheoretischen Gründen , von welchen wir später sprechen werden, als con-stant oder als unveränderlich erkannt worden ist. Da mit diesen Um-laufszeiten nach dem dritten Kepler'schen Gesetze, die halben großenAren der Bahnen in unmittelbarem Zusammenhange stehen, indem, nachdiesem Gesetze, eines durch das andere gegeben ist, so wurden auch dieseHalbaxen der Bahnen als für alle Zeiten unveränderlich erkannt, unddie Beobachtungen der ältesten Zeit stimmten auch mit dieser Voraus-setzung bei allen Planeten vollkommen überein.
Nicht so bei dem Monde. Auch hier, wie oben (H. 84) bei denbeiden größten Planeten unseres Sonnensystems, hatte Halley zuerst ge-funden, daß die Umlaufszeit des Mondes um die Erde seit den Zeitender griechischen Beobachtungen, d. h. nahe seit zweihundert Jahren vorChr. G. bis auf unsere Tage, immer kürzer, also die mittlere Bewegungdes Mondes immer schneller werde, wodurch daher der Mond der Erdeimmer näher kommen, und endlich, wenn diese Bewegung ohne -Aufhö-ren in derselben Art fortschreitet, auf sie fallen muß, um sich für immermit ihr zu vereinigen.
Diese befremdende Erscheinung hat die Astronomen lange gequält,da sie die Ursache derselben nicht finden konnten. Man suchte sie in derWirkung der Planeten, in der Abweichung des Mondes und der Erdevon der Kugelgestalt, in dem Widerstande des Aethers, in der allmäh-lichen Fortpflanzung der Schwere u. f., aber immer vergebens. Indeßwar die Uebereinstimmung aller anderen Phänomene des Himmels mitdem Gesetze der allgemeinen Schwere so groß, daß man nicht ohne leb-haftes Bedauern diese Ausnahme sehen konnte» welche bloß die mittlereBewegung des Mondes von diesem Gesetze machen sollte. Dieß bewogdie beiden größten Geometer ihrer Zeit, Lagrange und Laplace, demGrunde dieser auffallenden Erscheinung weiter nachzuforschen. Sie gin-gen von der Ansicht aus, daß diese Ausnahme nur scheinbar sey, undihre Ursache in demselben Gesetze, und zwar in der Anziehung der (sonneauf den Mond, haben müsse, aus welchen überhaupt alle Störungen die-ses Satelliten zu erklären seyn sollen. Wenn in der That die Erde inihrer Bahn sich der Sonne allmählich näherte, oder von ihr entfernte,so würde sich dadurch auch die Entfernung des Mittelpunkts der Mon-desbabn von der Sonne ändern, und es ist kein Zweifel, daß dadurcheine Vergrößerung oder eine Verkleinerung dieser Mondesbahn selbst her-vorgekramt werden müßte. Allein die große Ape der Erdbahn ist, wiedie aller Planeten, unveränderlich, und jene Voraussetzung einer verän-derlichen Entfernung der Erde von der Sonne scheint sonach unzulässig
Erinnert man sich aber (I. §. 142), daß die Ercentricität der Erd-bahn, den Beobachtungen gemäß, seit den ältesten Zeiten immer kleinerwird, daß also auch die elliptische Erdbahn, obsckon die große Axe der-selben unveränderlich ist, einem Kreise immer näher kömmt, so folgtdaraus, daß auch die Sonne seit jener Zeit dem Mittelpunkte der Mon-desbahn im Allgemeinen immer näher rücken, und daß dadurch die Wir-kung der Sonne auf die Bewegung des Mondes vergrößert werden muß.
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