Säculäre Störungen. / 86—87.
die Zeit, die zwischen zwei nächsten Durchgängen des Mondes durch sei-nen Knoten verfließt, ist 27.212t Tage, welche Zwischenzeit man denDrachenmonat zu nennen pflegt.
H. 86. (Bewegung der Apsiden der Mondesbahn.) Da die Attractionder Sonne die Entfernung des Mondes von der Erde bald vermehrt undbald wieder vermindert, so folgt daraus auch eine Aenderung der Lageder großen Are der Mondesbahn. Man sieht im Allgemeinen, daß dieseAxe der Sonne folgen, also von West nach Ost fortrucken wird. DieBeobachtungen zeigen, daß diese Fvrtrückung der Apsiden der Mondes-bahn, in Beziehung auf die Fixsterne, jährlich 4V.65 Grade beträgt.Daraus folgt die siderische Umlaufszeit der Apsiden des Mondes gleich3232.567 Tagen, und die Revolution des Mondes selbst in Beziehung'auf diese Apsiden gleich 27.555 Tagen, welche letzte Zeit man die ano-malistische Revolution des Mondes zu nennen pflegt. Auch diese Be-wegung ist übrigens mehreren Ungleichheiten unterworfen, die ebenfallsvon dem Stande der Sonne gegen die Erde und gegen den Mond ab-hängen.
H. 87. (Geschichte dieser Entdeckung.) Diese Bewegung der Apsidendes Mondes hat die Geometer des verflossenen Jahrhunderts lange be-schäftigt. Schon-Newton hat sie aus dem Gesetze der allgemeinen Schwereabzuleiten gesucht, aber durch seine Rechnungen nur nahe halb so großgefunden, als sie durch die Beobachtungen angezeigt wird. Später fandClairaut durch eins viel sorgfältigere Analyse nahe dasselbe, und dieihm folgenden Untersuchungen Euler's und D'Alembert's schienen diesesResultat zu bestätigen. Dieß war also gleichsam der erste Fall, wo dieTheorie mit der Beobachtung nicht übereinstimmte, oder wo das New-ton'sche Gesetz der allgemeinen Schwere nicht hinreichend gefunden wurde,um daraus alle Erscheinungen des Himmels zu erklären. Auch ließ sichClairaut, seines seltenen Scharfsinnes ungeachtet, durch diese Nichtüber-einstimmung verführen, ein anderes, complicirteres Gesetz der Natur an-statt jenes einfachen, das Newton aufgestellt hatte, auf die Bahn zubringen. Er fand zwar dabei Widerspruch von einem Manne, dessenAnsehen in dem Felde der Naturgeschichte zu jener Zeit für eine sehrgroße Autorität galt. Buffon wollte das von Clairaut vorgeschlageneGesetz durchaus nicht annehmen, aber bloß aus dem Grunde, weil dasvon Newton aufgestellte das einfachere wäre, und weil, nach seiner An-sicht, die Natur zur Erreichung ihrer Zwecke immer die einfachsten Mit-tel wählen müsse. Allein dieser teleologische oder metaphysische Grundwollte Clairaut nicht einleuchten, der ihm dafür die Resultate seiner Ana-lysis entgegensetzte, die jener nicht widerlegen konnte, weil er sie nichtverstand. Doch hatte dießmal der Metaphysiker, dem Geometer gegen-über, Recht. Clairaut bemerkte nämlich später, daß er die Annäherungfeiner Berechnung nicht weit genug getrieben hatte, und als er dieselbemit mehr Umsicht wiederholte, fand er, daß die Theorie auch hier mitden Beobachtungen in vollkommenem Einklang sey. Nach ihm wurdediese wesentliche Verbesserung auch von Euler und D 'Alembert als rich-tig erkannt, und die neuesten Bestimmungen der Bewegung der Apsidender Mondesbahn, die Laplace in seiner eheste gegeben hat,
weichen nur mehr um ihren Kosten Theil von den Beobachtungen ab.So wurde daher dieselbe Erscheinung, die man früher als eine Aus-nahme von dem allgemeinen Gesetze der Schwere betrachtete, — jetzteiner der schönsten Beweise für das Daseyn dieses Gesetzes. Denn dießwar das Loos jener glänzenden Entdeckung, daß jedes neue Hinderniß,