§. 47. Masse» und Nichtigkeiten der Himmelskörper. 557
wie von der Erde angezogen wird. Setzt man nämlich voraus, daß dieKräfte dieser beiden Weltkörper sich wie ihre Massen dividirt durch dieEntfernung des Steines von ihrem Mittelpunkte verhalten, so findetman, dasi dieler Punkt nahe 7 Erdhalbmesser von dem Monde, also auchnahe 53 Erdhalbmesser von dem Mittelpunkte der Erde entfernt ist.Eine einfache Rechnung zeigt, daß die anfängliche Geschwindigkeit, dieder Stein bet ,einem Auswurfe durch den Vulkan erhalten, oder daßder Weg, welchen der Stein in der ersten Secunde zurücklegen muß, umjenen Punkt der gleichen Anziehung zu erreichen, 8290 Par. Fuß beträgt,also nahe I2mal grösier ist, als die Geschwindigkeit einer Kanonenkugel.Wir kennen aber die Kräfte, welche unsere, und noch weniger jene,welche die Vulkane des Mondes entwickeln, noch zu wenig, als daß wirdadurch über die Wahrscheinlichkeit jenes Ursprungs der Aerolithen unseine Entscheidung erlauben dürften. Gewiß ist, daß ein Körper, der mitdieser Geschwindigkeit die Oberfläche des Mondes verläßt und in gera-der Richtung auf die nchende Erde fortgeht, jenen Punkt der gleichenAnziehung erreichen, und daß er ihn daher auch, wenn jene anfänglicheGeschwindigkeit nur etwas größer ist, auch überholen wird. Dann tritter aber in die Attractionssphäre der Erde ein und gehört fortan nichtmehr dem Monde, sondern uns an. Da ohne Zweifel die meisten dieserSteine, wenn sie anders diesen Ursprung haben, in einer gegen die Erdeschiefen Richtung von dem Monde ausgeworfen werden, so werden sieauch ihren Weg nicht in gerader Richtung auf die Erde hinnehmen,sondern vielmehr, wenn sie einmal die Attractionsgränze des Mondesüberschritten haben, in krummen Linien, gleich andern, kleineren Mon-den, die Erde umkreisen, wo sie dann, besonders wenn ihre Anzahl, wiees scheint, sehr groß ist, oft in den Fall kommen könnten, daß sie dieBahn der Erde durchschneiden, oder so nahe zu derselben gelangen müß-ten, um von ihr mit Heftigkeit angezogen und zum Herabsturzen aufdie Erde gebracht zu werden.
Man könnte fragen, wie viele Zeit ein solcher Stein brauchte, um. von jenem Punkte der gleichen Anziehung bis zur Erde zu kommen, oderum seinen Weg von 53 Erdhalbmessern zurückzulegen. — Wenn er bloßvon der Erde angezogen und durch die Atmosphäre derselben in seinemLaufe nicht gehindert wäre, so würde er diesen Weg in 2 Stunden18 Minuten zurücklegen, und am Ende dieser Zeit die Erde mit einerGeschwindigkeit erreichen, vermöge welcher er in einer Secunde 251028Fuß zurücklegte. Da diese die Geschwindigkeit unserer Kanonenkugelngegen 300mal übertrifft, so könnte man daraus das tiefe Einschlagender Aerolithen in die Erde, und die Erscheinung erklären, daß man selbstnach heftigen Steinregen, so wenige derselben auf der Oberfläche desBodens, wo sie gefallen sind, finden kann. Allein da ein solcher Stein,in dem Punkte der gleichen Attraction, auch noch, obgleich nur schwach,von dem Monde angezogen wird, so muß dadurch seine Endgeschwindig-keit verkleinert, und dafür die Zeit, während welcher er jene 53 Erd-halbmeper zurücklegt, beträchtlich vergrößert werden. In der That fin-det man, daß er unter dieser Voraussetzung jenen Weg erst in nahek'4 Stunden oder in 2^/z Tagen zurücklegen würde.
Uebrigens muß man gestehen, daß sich die Erde, ihrem Diener undss ackelträger gegenüber, in einer etwas sonderbaren Lage befindet, wennanders diese Hypothese von dem Ursprünge der Aerolithen gegründetjeyn soll. Sie muß sich von ihm mit Steinen werfen lassen, ohne esverhindern, selbst ohne es, nach dem Rechte der Repressalien, auch nurerwidern zu können, da uns unsere fünfmal größere Schwere hindert,