Eigenschaften der Körper. §. 9.,
den sie ohne Zweifel dieselben Erscheinungen zeigen. Es ist sehr wahr-scheinlich, daß diese letzten Elemente aller Körper ihrer Gestalt und Na-tur nach unveränderlich und unzerstörbar sind, da wir sie nach allen,auch den gewaltsamsten Veränderungen wieder finden, welche wir mitdiesen Körpern, durch mechanische oder chemische Kräfte vornehmen, unddaß sie endlich, obschon sie selbst, ihrer ungemein geringen Dimensionenwegen, noch durch keine Kunst in den Bereich unserer Sinne gebrachtwerden konnten, doch von einer bestimmten, wenn gleich uns unangeb-lichen Größe seyn müssen.
9. (Bewegung der Körper; Anziehung und Abstoßung derselben.)Außer diesen, allen Körpern der Natur gemeinsamen Eigenschaften be-merken wir aber noch eine andere, die in ganz besonderem Grade unserenähere Betrachtung verdient. Wir sehen, daß beinahe alle diese Körperund selbst die Theile, aus welchen sie bestehen, ihre Lage gegen einanderändern, oder daß sie sich bewegen.
In diesen Körpern selbst können wir aber nichts finden, was dieseBewegung erzeugen sollte. Wir sind daher gezwungen, die Ursache der-selben außer ihnen zu suchen. In den thierischen, belebten Körpernscheint wohl etwas zu liegen, das eine Bewegung derselben hervorbringt,aber diese dem Willen des Thieres gehorchende Bewegung seiner Gliederkann nicht in diesen Gliedern selbst, oder in irgend einem andern Theiledes Körpers gesucht werden, da wir sie im Schlafe, und noch mehr nachdem Tode des Thieres, nicht mehr finden, wenn gleich der ganze Körperdurch diesen Tod noch keine merkbare Veränderung in der Zusammen-sügung seiner Theile erlitten hat. Diese freiwillige Bewegung der leben-den Geschöpfe scheint daher auch hier keineswegs eine Wirkung der ansich todten Materie selbst, sondern vielmehr ein Resultat des diese Ma-terie belebenden und von ihr ganz verschiedenen Wesenö zu seyn, dessenNatur für uns noch in tiefes Dunkel gehüllt ist.
Was ist es also, was zwei Wassercrvpfen einander nähert; was dasEisen dem Magnete entgegenführt; was den Stein, den wir aus derHand fallen lassen, zur Erde fallen macht; was die Planeten um dieSonne und die Satelliten um ihren Hauptplanecen treibt? — Wir wis-sen es nicht. Wir sehen, daß sich die Körper bewegen, und da wir dieUrsache dieser Bewegung nicht in den Körpern selbst voraussetzen kön-nen, so suchen wir sie außer ihnen, in den andern Körpern, zu oder vondenen sich jene bewegen. Wir sagen, daß diese Körper gegen jene eineAnziehung oder Abstoßung äußern. — So kömmt es uns vor, unddiese beiden Ausdrücke sind auch nichts weiter, als das Bild, welcheswir uns von jenen Erscheinungen entwerfen. Ob es aber auch in derThat der Natur gemäß sey, sind wir nicht im Stande zu entscheiden.Wenn wir sagen, der Magnet zieht das Eisen an, so heißt dieß nur,daß diese beiden Körper, wenn sie sich begegnen, einander näher kom-men und wenn sie sich berühren, an einander fest halten, so daß ein ge-wisser Widerstand nöthig ist, sie zu trennen. Ob aber die Ursache die-ser Annäherung, ob der eigentliche Sitz dieser Anziehung in dem Mag-net, oder in dem Eisen, oder ob er in einem diese beiden Körper umge-benden Medium sey, dieß ist uns eben so unbekannt, als die Art, wiedie Anziehung beider Körper bewirkt werden mag. Die Wirkungallein ist es, die wir kennen, weil wir von ihrem Daseyn, von ihrerGröße und von ihren Modificationen unmittelbar durch unsere Sinnebelehrt werden. Aus diesen Wirkungen schließen wir, daß es ein allge-meines, alle Körper der Natur umschlingendes, obgleich uns unsichtba-res Band geben muß, welches nicht nur diese Körper, sondern auch die