»g« Sterngruppen und Nebelmassen des Himmels. §. ss?,
Tausende von Pflanzen jeder Art und jedes Alters mit einem Blickeübersieht, wie er in diesen Abstufungen ihres Wachsthumes selbst dieallmählige Entwicklung dieser Pflanzen erkennt, ohne eben jede einzelnederselben, von ihrer Entstehung bis zu ihrem Untergange, mühsam ver-folgt zu haben, eben so werden auch wir, wenn wir den endlosen Gar-ten des Himmels und die unzähligen Gewächse desselben in den verschie-denen Graden ihrer Entwicklung erblicken, ans eben diesen Mannigfal-tigkeiten selbst uns ein Bild von dem allmähligen Wachsthums dieserKörper entwerfen können. Denn auch dieses ^ternheer ist doch wohleben so wenig, wie jener Garten, und wie alle Werke der Natur, ur-plötzlich in derselben Gestalt entstanden, in welcher wir es jetzt voruns sehen. Diese Himmelskörper bedürfen vielleicht Millionen von Jah-ren, um sich zu einer bestimmten und geregelten Form auszubilden —aber sie sind demungeachtet nicht weniger Kinder der Zeit, und was inihr entstanden ist, muß auch ihr Gepräge tragen, muß der allmähligenEntwicklung, und auch, wenn diese vollendet und ihre Bestimmung er-füllt ist, dem Untergange unterworfen seyn.
Auf welche Weise diese Entwicklung vor sich geht, und durch welcheKraft sie bewirkt wird — wir wissen es nicht von den Körpern unsererErde, die uns zunächst umgeben, wir wissen es von uns selbst nicht —wie sollten wir es von jenen so weit entfernten und uns in allen Bezie-hungen so fremden Körpern des Himmels ergründen wollen? DieseKraft, durch welche die an sich todte, starre Masse belebt wird, und sichselbst durch alle Stufen ihrer Verwandlungen fortbildet, durch welche sieauf ihre eigenen Elemente, die wir mit keinem Mikroscope mehr verfol-gen können, so wie auf die entferntesten Körper einwirkt, die kein Te-lescop mehr erreicht, — diese Kraft, diese Seele der ganzen Natur,wird uns ewig ein Geheimniß bleiben. Unser Auge wird nie den dich-ten Schleier durchdringen, welchen die große Mutter aller Dinge vor diebeiden äußersten, dunklen Kammern ihrer Werkftätte gezogen hat, inderen einer sie die Entstehung, und in der andern den Untergang, in
einer die Geburt, und in der andern den Tod aller ihrer Geschöpfe be-reitet.
Uns genüge es, diese Stufenfolgen zwischen jenen beiden äußerstenEndpunkten des Lebens aller Wesen, der Erde und des Himmels, mitunseren eigenen Augen gesehen und uns von dem unbestreitbaren Daseynvon Ereignissen, zu deren Evolutionen viele Jahrtausende, vielleichtMillionen von Jahren nöthig waren, während der kurzen Zeit unsereseigenen Lebens überzeugt zu haben. Von jenem ersten, formlosen, weitverbreiteten Urnebel, von jenem altergrauen Chaos, aus dem die Him-melskörper hervorgegangen sind, haben wir beinahe alle auf einanderfolgende Metamorphosen derselben gesehen, bis zur letzten und höchstenStufe, bis zu dem eigentlichen, abgerundet-n, nebellosen, im reinstenLichte strahlenden Sterne, ja bis zu jenen wundervollen Gruppen, woTausende von diesen vollendeten Sternen, in einem verhältnißmäßig en-gen, abgeschlossenen Raume, sich in ewig ungestörter Harmonie um ein-ander bewegen. Wir haben gesehen, wie ans jenem chaotischen Urnebeldurch Zerreißung, oder vielmehr durch Anziehung überwiegender Stellendesselben, gesonderte Theile entstehen, deren Gestalt zwar noch unbe-stimmt, deren Licht aber schon kräftiger erscheint. Wenn dann in die-sen kleinen Nebeln, die man immer, ihrem Ursprünge gemäß, in gan-zen, großen Lagern beisammen findet, die Condensativn einzelner Punkteund die Anziehung der benachbarten Nebelmassen weiter fortgeschritten