Doppclsterne. §. 22s.
der Imagination meiner Leser nicht weiter vorzugreifen und ihnen dieVollendung dieses Gemäldes selbst zu überlassen, was ihnen keine Mühemachen kann, da sie ihrer Einbildungskraft keine Zügel anzulegen brau-chen, und da sie überdieß zu ihrem Bilde die Farben kaum zu lebhaftnehmen können.
H. 225. (Geschichte der Entdeckung der Doppelsterne.) Wenn das, waswir bisher über diese sonderbaren Gestirne mitgetheilt haben, in Bezie-hung auf den Reichthum, der in diesen Minen wahrscheinlich noch ver-borgen liegt, nur gering erscheint, so mag man bedenken, daß kaum einhalbes Jahrhundert verflossen ist, seitdem sich die Astronomen mit die-sem Gegenstande zu beschäftigen angefangen haben. Wenn unsere Nach-folger in dem nächsten Jahrhunderte eben so fleißig und eben so vomGlücke begünstiget seyn werden, als ihre Vorgänger waren, so werdensie wahrscheinlich den gestirnten Himmel mit ganz anderen Augen be-trachten, als es ihren Vorfahren möglich gewesen ist.
Es war i. I. 1778, daß der ältere Herschel (Sir William) zuerstauf die Doppelsterne aufmerksam wurde. Er hielt sie anfangs, wie schonoben erwähnt worden ist, für bloß optisch doppelte Sterne und wollte siedemnach zur Bestimmung der Entfernung derselben von der Erde be-nützen. Allein schon in den ersten Jahren erkannte er seinen Irrthum.Zwar fand er Bewegungen an diesen Doppelsternen, aber keine solchen,die mit der Theorie der Parallaxe (I. Kap. V.) übereinstimmten. DieseBemerkung brachte ihn auf die Idee, daß jene Bewegungen der Doppel-sterne von einer Verrückung der Sonne und unsers ganzen Sonnensy-stems kommen mögen, und er glaubte auch einige Zeit lang, jene Er-scheinungen durch eine Bewegung des Sonnensystems erklären zu können,deren Weg jetzt gegen das Sternbild des Hercules hin gerichtet seynsollte. Allein auch diese Idee wurde bald unrichtig gefunden. Stattweitern Hypothesen nachzuhängen, zog er es vor, seine Beobachtungenmit verdoppeltem Eifer fortzusetzen, und er lieferte i. I. 1782 und 1785der k. Akademie in London bereits ein Verzeichniß von 702 solcher Ster-nenpaare, die er wiederholt beobachtet hatte.
Erst nach dem Jahre 1785, also mehr als sieben Jahre nach seinenersten Arbeiten über diesen Gegenstand, versuchte er einmal zufällig, denWeg eines dieser Doppelsterne, seinen Beobachtungen gemäß, auf demPapiere, in Gestalt einer kleinen Karte, zu verzeichnen, und war nichtwenig erstaunt, zu sehen, daß der eine dieser Sterne um den andern,wie ein Planet um die Sonne, sich bewege. Allein er wagte es nicht,seine Entdeckung bekannt zu machen, bis er sich von der Wahrheit der-selben an mehreren andern Sternen überzeugt hatte. Erst i. I. 18V1nahm er diese Beobachtungen wieder mit neuem Eifer vor, und jetzt erst,24 Jahre nach dem Anfange seiner Untersuchungen, stellte er, in zweiAbhandlungen (kNilos. 1>an8Let. 1802 und 1804) die positive Behaup-tung auf, »daß es eigene Sternsysteme gebe, die aus zwei Fixsternen»zusammen gesetzt sind, von welchen der eine sich in einer regelmäßigen»Bahn um den andern bewege." Er führte in diesen beiden Memoi-ren gegen fünfzig Doppelsterne an, bei welchen diese Bewegung des einenum den andern durch die Beobachtungen außer Zweifel gesetzt wurde, jaer wagte es sogar schon, von einigen derselben die Umlaufszeit zu be-stimmen.
Um das Jahr 1815 fing auch Struve in Dorpat an, sich mit diesemin teressanten Gegenstände zu beschäftigen. Anfangs beobachtete er siebloß mit seinem Mittagsrohre. Als aber später der große dreizehnfüßigeRefractvr Fraunhofer's in seine Hände kam (und er konnte nicht wohl