Z. 224. Doppelsterne.
H. 224. (Anblick des Himmels von diesen Planeten.) Wir haben be-reits oben geseben, welchen sonderbaren Anblick der Himmel von derOberstäche des Mondes oder der Satelliten Jupiters und Saturns ge-währt. Noch viel ausfallender werden aber die Erscheinungen seyn, welchederselbe den Bewohnern der Planeten der Doppelsterue darbieter. Diemannigfaltig verwickelten und in einander geschlungenen Bahnen dieserPlaneten, die wir so eben betrachtet haben, werden die Bewohner der-selben , welche diese Bahnen von ^mmer geändertem Standpunkte ans be-trachten , über die wahre Beschaffenheit derselben wahrscheinlich noch vielungewiffer machen, als wir selbst über die Bahnen unserer PlanetenJahrtausende hindurch gewesen sind, bis es endlich dem Scharfsinnezweier seltener Männer, Cvpernicus und Kepler, gelungen ist, uns die-selben näher kennen zn lehren. Denken wir uns noch dazu die Satelli-ten, die Ringe dieser Planeten und ein ganzes Heer von Kometen, welchesie nach jeder Richtung umschwärmen, alle in einen verhältnißmäßig sehrkleineu Raum zusammendrängt, — so wird es schwer, sich von diesemSchauspiele eine nur einigermaßen getreue Vorstellung zu machen. Wel-chen Eindruck auf unser Auge, welche Veränderungen in der ganzen unsumgebenden Natur würde überdies) eine rothe, eine grüne oder eine blaueSonne erzeugen! — Wenn auch nur unser eigenes Sonnenlicht bloß ausweißen Strahlen bestünde, die sich nicht in einzelne gefärbte Strahlenzerlegen ließen: wie ganz anders würde uns die ganze Welt erscheinen.Wir haben bereits oben (II. H. 7) Gelegenheit gehabt, die Wirkungender gefärbten Sonnenstrahlen auf die Körper der Natur näher anzugeben.
Wenn wir aber diese wunderbaren Farbenspiele der Natur schon un-serer einzigen Sonne verdanken, — welch' ein ganz anderes Schau-spiel mögen in jenen Regionen zwei und mehrere Sonnen von ver-schiedenen Farben erzeugen. — Eine rothe Sonne erhebt sich dort überden Horizont des erstaunten Beobachters, und Erde und Himmel schwimmtin ihrem Purpnrlichte. In wenig Stunden schon folgt ihr eine andere,eine blaue, eine grüne Sonne, und plötzlich ändert sich, mit ihrer Er-scheinung, auch der Anblick der ganzen Natur. Neue Welten scheinenmit diesen neuen Sonnen vor uns aufzugehen; Erde und Himmel sehenwir in stetem Wechsel begriffen, und in Mitten aller dieser Verwand-lungen würden wir die Welt, würden wir uns selbst nicht mehr erken-nen. So lange die rothe Sonne scheint, wird unsere ganze Erde mitihrem Rosenlichte Übergossen seyn; wenn sie untergegangen ist, und dieblaue oder grüne Sonne sich erhebt, wird wieder Alles, selbst die Wüsteund das Meer, mit einem azurnen oder smaragdenen Teppiche überzo-gen; und wenn endlich beide Sonnen zugleich über dem Horizonte stehen,und die ganze Natur von zwei komplementären Farben beleuchtet wird,so werden alle Gegenstände sofort ihr früheres buntes Kleid ablegen undin einer einförmigen, aschgrauen Farbe zu trauern scheinen. Nicht mehrwürden wir, wie bisher, die Dinge um uns an ihren Farben erkennen,da jeder Gegenstand abwechselnd in allen Farben erscheinen musz, jenachdem er von dieser oder von jener Sonne, oder von beiden zugleich,beleuchtet wird. Der Himmel würde nicht mehr blau, die Wiese nichtmehr grün, der Schnee nicht mehr weiß seyn, sondern Alles würde, jenach der Tageszeit, in allen Farben spielen. Wie ganz anders magdie Optik dieser guten Leute, und wie die Farbengebung ihrer Malerbeschaffen seyn! Ja selbst die Zeitrechnung derselben wird von der unse-ren verschieden seyn müssen, da sie nicht mehr nach Tagen und Jahrenzählen können. Vielleicht rechnen sie nur nach rothen und grünen Zei-ten, oder nach gelben und blauen Tagen; vielleicht — doch es ist besser,