Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

§. 222.

Doppelsterne.

475

den Fernröhren aufzustellen, und für jedes Fernrohr das Blatt so langezu entfernen, bis man dasselbe nicht mehr deutlich lesen kann. DieAstronomen aber, die schon gewohnt sind, die Gegenstände des Him-mels auch zu diesem Zwecke anzuwenden, pflegen die Güte ihrer Fern-röhre dadurch^anzugeben, das; sie sagen, dasselbe zeige die Phasen derVenus, die Streifen Jupiters, deu Schatten des Saturnringes u. dgl.sehr deutlich. Allein man sieht, wie viel dabei noch Unbestimmtes zu-rückbleibt, und daß solche Aussagen keine Basis zu einer eigentlichenClassification der Fernröhre abgeben können.

Anders verhält sich dieß mit den Doppelsternen. Da es sich bei derUntersuchung der Güte eines Fernrohres vorzüglich darum handelt, obdie Strahlen, die von irgend einem Punkte eures Gegenstandes außerihm kommen, durch das Objectiv wieder genau in einen einzigen Punktvereiniget werden, oder mit andern Worten, ob die Bilder, welche dieFernröhre von den Gegenständen machen, ganz rein und vollkommendeutlich sind, worin eben der Hauptvorzug eines jeden guten Fernrohrsbesteht, so werden die Doppelsterne ein ganz vorzügliches Mittel seyn,das Daseyn oder den Mangel dieses Vorzugs zu beweisen. Es ist bereitsoben gesagt worden, daß die Fixsterne alle, in guten Fernröhren, nurals eben so viele untheilbare Punkte, ohne allen merklichen Durchmesser,erscheinen. Zwar sieht man sie öfter als Scheibchen von beträchtlicher Di-mension , die nicht einmal immer ganz rund und noch überdies; mitStrahlen versehen sind. Aber eben diese Erscheinungen sind nur eben soviele Fehler des Fernrohres, von welchen übrigens auch ein Theil in derAberration des Auges liegen mag. Ein gesundes Auge soll durch einvollkommen gebautes Fernrohr alle Sterne, auch die hellsten, als reinePunkte zeigen, und überhaupt alle von jedem einzelnen Punkte einesGegenstandes kommende Strahlen, nach der Brechung derselben, genauwieder in einen einzigen scharfen Punkt vereinigen. Die Doppelfteruesind solche Gegenstände, die nur aus zwei Punkten bestehen, die über-dies; hellglänzend auf dem dunklen Hintergrunde des Himmels stehen,und die daher ganz besonders geeignet sind, zu entscheiden, ob diese bei-den Punkte sich auch in ihrem Bilde, in dem Fernrohre, wieder genauals solche zeigen. Wenn die beiden Sterne sehr hell und z. B. beidewenigstens zu der I. bis V. Größe gehören, und wenn sie überdies; sehrnahe bei einander stehen, wie Eaftor, 7 Jungfrau, E großer Bär, sowird eine sehr große Reinheit des Bildes nöthig seyn, um diese zweihellen Punkte auf ihrem dunklen Grunde scharf abgesondert und in ihrennächsten Gränzen nicht verwaschen oder in einander lausend zu sehen;und im Gegentheile, wenn beide Sterne oder auch nur der eine derselbensehr klein ist, so wird eiue große raumdurchdringende Kraft des Fern-rohrs, wie sie Herschel zu nennen pflegte, erforderlich seyn, um so feineund lichtschwache Punkte, selbst wenn sie einzeln am Himmel stunden,überhaupt noch sehen zu können, so daß also durcy die Doppelsrerne so-wohl die Kraft, als auch die Richtigkeit der Construction des Fernrohrs

sehr vortheilhast und sicher untersucht werden kann, und das; mau da-durch gleichsam ein bestimmtes Maas; erhält, nach weleoem man mese

Instrumente unter sich vergleichen kann. . ^

Zu diesem Zwecke folgen hier einige dieser Doppelsterne, die sowohlfür schwächere, als auch für stärkere Fernrohre als Prusungemlttel ge-braucht werden können. ^ ...

I. Sehr leicht und schon durch gewöhnliche achromatische Fernrohre

von etwa zwei Fuß Focallänge und zwei ^ost Dehnung .assen sich diefolgenden Doppelsterne erkennen: