Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
473
Einzelbild herunterladen
 

5- 221. Doppelsterne. 45z

primär, weil man aus ihnen durch Mischung alle andern Farben er-zeugen kann.

Theilt man nun die Peripherie eines Kreises in sechs gleiche Theile,und nennt den ersten Theil roth, den zweiten «gränzenden orange, dendritten gelb, dann grün, blau und violet, so liegt in der so bezeichnetenFigur jeder primären Farbe diejenige secnndäre gegenüber, die aus derMischung der beiden anderen primären Farben entsteht. So liegt z. B.der primären rothen Farbe die secnndäre grüne gegenüber, und diegrüne Farbe entsteht, wie allgemein bekannt, aus der Mischung derbeiden primären Farben gelb und blau. Man nennt aber diese den dreiprimären Farben gegenüberstehenden secundären Farben die comple-in entären von jenen primären Farben. So ist also

grün die complem. Farbe von roth,violet >, >> gelb, undorange blau.

Man will bemerkt haben, daß je zwei complementäre Farben einengefälligern Eindruck auf das Auge machen, als z. B. grün und gelb,etwa wie zwei um eine Terze oder Octave entfernte Tone den Ohrenangenehmer sind, als andere. Auch sollen die komplementären Farbenentgegengesetzte chemische Eigenschaften besitzen, indem die einen eineoxydirende und die andern eine desopydirende Kraft auf die Körperäußern.

Wie es aber auch mit diesen und andern Eigenschaften der komple-mentären Farben beschaffen seyn mag, so wollen wir hier nur einer an-dern Eigenthümlichkeit derselben erwähnen, die bereits durch Beobach-tungen conftatirt ist und ganz besonders zu unserem gegenwärtigenZwecke gehört.

Wenn man nämlich einer schwach erleuchteten weißen Fläche ein vonden drei primären Farben stark gefärbtes, intensives Licht nahe bringt,so erscheint diese weiße Fläche sogleich in der komplementären Farbejenes primären Lichtes. Wird z. B. einem matt erleuchteten weißenPapier ein starkes rothes Licht genähert, so erscheint das Papier nichtroth, sondern grün; und war jenes Licht gelb, so erscheint das Papierviolet; war endlich jenes Licht blau, so wird das Papier orangefarberscheinen. Aus dieser Ursache erblickt man eine weiße Wand voll viv-leter Flecken, wenn man kurz zuvor das Auge gegen die Sonne gerichtethat, oder man sieht diese Wand grün oder orange, wenn man kurz zu-vor eine rothe oder eine blaue Fläche durch längere Zeit angesehen hat.

H. 22k. (Sind die Farben der Doppelsterne aus diesem Grunde zu er-klären ) Man hat die Meinung geäußert, daß die zwei Farben, in wel-chen man gewöhnlich die Doppelsterne sieht, aus diesen komplementärenFarben zu erklären seyen, und daß daher diese Farben der Sterne nichtreet, sondern nur optische Illusionen unsers Sehorgans sind. Der kleineStern hat gewöhnlich nur ein schwaches Licht im Verhältniße zu dengrößern. Wenn also jener auch an sich selbst von weißer Farbe ist, sowird er uns doch violet oder bläulich erscheinen, sobald er einem großenund intensiven gelben Sterne, oder grünlich, falls er einem großen ro-then Sterne nahe steht. Beispiele für eine solche Zusammenstellung gibtes genug. So ist bei « Äerkules und?? Cassiopeia der große roth undder kleine grün; bei 5 Orion, -> Cancer, st Cygnus, ^ Centaurus der

große gelb und der kleine blau n. s. w.

Allein auch an zahlreichen Ausnahmen von dieser sogenannten Re-gel fehlt es nicht. So findet man sehr oft einen kleinen blauen Sternneben dem großen weißen, wie in F Aries, e Perseus, st Orion, 6 Ge-