Kometen. §. lü7.
sticken müssen. Denn sie fangen immer erst dann an sich zn bilden,wenn der Komet der Sonne näher kömmt; sie wachsen mit dieser Annä-herung und nehmen auch, mit der Entfernung des Kometen von derSonne, allmahlig wieder ab. Es ist möglich und selbst nicht unwahr-scheinlich, das; viele dieser Himmelskörper, die in der Nahe der Sonnedurch die Hitze derselben in eine feine Dunstmasse aufgelöst werden , ingrossen Entfernungen von ibr, durch die dort herrschende Kälte, wiederzu sehr kleinen und festen Körpern concentrirt werden.
Diese Sckweife der Kometen sind oft sehr lang und verbreiten sichüber einen großen Theil des Himmels. Der Komet von 1456 hatteeinen Schweif, der sich über 60 Grade erstreckte, also den dritten Theildes uns sicktbaren Himmels einnahm. Zn Keplers Zeiten, i. I. 1618,im ersten Jahre des dreißigjährigen Krieges, erschien ein Komet, dessenSchweif eine Länge von mehr als 100 Graden hatte. Auch der vomJahre 1769 hatteeinen über 99 Grade langen Schweif.
Die Größe und Gestalt dieser Sckweife ist übrigens, auch bei dem-selben Kometen und während derselben Erscheinung desselben, öfters ver-schieden. Der Halley'sche Komet, von dem wir später mehr sprechen wer-den, erschien i. I. 1456, wo er der Erde näher vorbeiging, sehr großund hell erleuchtet, uometn, üoiwenckas nmAnitnstmis, wie der Chronistjener Zeit ihn beschrieb. Sein Schweif hatte eine Länge von 6V Graden.In einer nicht viel geringeren Pracht zeigte er sich in seinen zwei nächst-folgenden Besuchen, in den Jahren 1531 und 1607. Aber bei seinerdritten Wiederkunft, i. I. I68Z, erschien er schon schwächer und kleiner,und seine beiden letzten Erscheinungen v. I. 1759 und 1835 waren nochweniger ausgezeichnet. — Ueberhaupt erscheinen die Kometen und ihreSchweife immer am größten, einige Zeit nach dem Durchgange durch ihrPeriHelium, zum Beweise, daß die große Hitze, welche sie in dieser Näheder Sonne erleiden, die eigentliche Ursache ihrer Entwicklung und Aus-dehnung ist. Vielleicht würde es unserer Erde, wenn sie sich der Sonneso sehr nähern könnte, nicht besser gehen; sie würde wahrscheinlich auchglühend ^werden und wie erhitztes Metall in Fluß gerathen, das Wasserder Flüge und Meere würde zu kochen anfangen und sich in Dunstgestalterheben; unsere Atmosphäre würde sich auf eine große Höhe über dieErde erstrecken, und wenn sie, wegen dem Widerstande des Aethers oderaus irgend einer andern Ursache, dem Kern derselben auf seinem schnel-len Laufe um die Sonne nicht so geschwind folgen könnte, ebenfalls dieGestalt eines Schweifes annehmen.
Die meisten größeren Kometschweife erscheinen in ihrer Mitte, derLänge nach, durch einen dunklern, breiten Streifen getheilt, wodurch siedas ^Ansehen erhalten, als ob sie doppelt wären. Die älteren Astrono-men hielten diesen dunklen Streifen für den Schatten, welchen der aufseiner oordern E-eite von der Sonne beschienene Kern hinter sich wirft.Allein diese Meinung ist unrichtig, da man diese Streifen auch bei je-nen Kometen bemerkt, deren Schweife sehr große Winkel mit derjenigenLinie bilden, die den Kometen mit der Sonne verbindet, auf welcherletzten Linie doch jener Schatten immer liegen müßte. Viel angemesse-ner scheint die Vorstellung zu seyn, daß der Schweif des Kometen nicht,wie man gewöhnlich glaubt, eine ruthenartige Fortsetzung seines Kaupt-körpers, sondern daß er ein hohler, mit einem eigenen schwachen Lickteversehener, durchsichtiger Dunstkegel ist, der uns dann natürlich an sei-nen beiden Ständern viel Heller, als in seiner Mitte, erscheinen muß.So sah man den schönen Kometen von 1811 durch gute Fernröhre mit