ZA4 Die Monde der drei äußersten Planeten. §. 151—152.
während die Sonne selbst und alle andern Gestirne hinter ihr vorüberzie-hen, begleitet von anderen ebenfalls sehr großen lichten Himmelskörpern,welche die erste in künstlich verschlungenen Bahnen nach ewig unverän-derlichen Gesetzen umwandeln. Die Bewohner der Mitte der, diesemPlaneten zugewendeten Hälfte sehen die ungeheure Lichtscheibe immer inihrem Zenithe und die des Randes immer in ihrem Horizonte. EineReise von 440 Meilen, zweimal so weit als von Wien nach Neapel,würde schon hinreichen, diese große Scheibe des Hauptplaneten aus demZenithe des Wanderers in seinen Horizont herab zu ziehen. Mit wel-chen Gefühlen mögen die Bewohner des Randes der Hinteren, von Ju-piter stets abgewendeten Hälfte dieses Mondes, nach einem Wege vonnur wenigen Meilen, diesen ungeheuern Himmelskörper erblicken, derihnen in seiner Oberfläche 37000 mal größer, als die so weit entfernteSonne erscheint, und der ein blendendes Licht verbreitet, das mit demunseres Vollmondes nicht weiter verglichen werden kann.
H. 151. (Entdeckung dieser Monde.) Bemerken wir noch, daß dieEntdeckung dieser vier Monde, durch Galilei i. I. 1610, eine der erstenFrüchte des nur kurz vorher erfundenen Fernrohrs, zugleich eine sehrmerkwürdige Epoche in der Geschichte der Sternkunde begründet. Denndie erste astronomische Auflösung des großen Problems der Meeres-länge, der wichtigsten und nützlichsten Aufgabe, die der menschlicheGeist sich je vorgelegt hat, verdanken wir der Kenntniß dieser Monde.Auch datirt man mit Recht die eigentliche, letzte Bestätigung der Wahr-heit des Copernicanischen Systems von der Entdeckung dieser vier Him-melskörper, die uns unser eigenes Sonnensystem gleichsam in einem Mi-niaturbilde zeigen, in welchem sich die drei Kepler'schen Gesetze (!. H. 147)und durch sie das Gesetz der allgemeinen Schwere abspiegeln, und inwenigen Monaten schon alle die periodischen Bewegungen zeigen, derenvollständige Entwicklung bei den Planeten selbst viele Jahrhunderte er-fordert. Und als ob die Natur mit einer Art von Vorliebe diese klei-nen , von uns mit freien Augen ganz unsichtbaren Lichtpunkte begünsti-gen und auf sie die interessantesten Züge der Geschichte der Sternkundehänfen wollte, so verdanken wir ihnen auch die große Entdeckung derAberration des Lichtes (I. Kap. VI.) und durch dieselbe die Kenntnij;der außerordentlichen Geschwindigkeit (I. §. 77) dieses wundervollenElements.
H. 152. (Satelliten des Saturn und Uranus.) Viel weniger, als dieSatelliten des Jupiter, sind uns die des Saturn und noch beinahe garnicht die des Uranus bekannt. Die vorzüglichsten Elemente der siebenMonde Saturns wurden schon oben (I. §. 180) mitgetheilt. Wenn manihre Umlaufszeiten mit ihren mittleren Entfernungen vergleicht, so siehtman, daß auch sie, so wie die Monde Jupiters, dem dritten GesetzeKepler's (I. H. 146) gehorchen, so wie man durch lichtstarke Fernröhre,wenigstens an einigen derselben, auch schon die Gleichheit ihrer Revolu-tion mit der Umdrehung um ihre Axe beobachtet haben will, eine Ueber-einstimmung, die man bereits an so vielen Satelliten gefunden hat, daßman nicht weiter anstehen kann, sie als eine allen diesen Monden all-mein zukommende Eigenschaft zu betrachten.
Der entfernteste oder der siebente dieser Monde hat allein noch eineetwas beträchtliche Neigung gegen die Ebene des Ringes, mit welcherdie Bahnen der sechs übrigen nahe zusammenfallen. Dieser Mond istzugleich derjenige, den man noch am besten durch Fernröhre sehen kann.Auch der sechste bietet in dieser Beziehung keine besonderen Schwierig-keiten dar; die drei nächstfolgenden sind lchon sehr schwach und erfor-