ggH Die Monde der drei äußersten Planeten. §. i4ß.
ersten Muthmaßungen haben oft ihren hohen Werth, und es ist nichtJedermanns Sache, mit Glück solche Meinungen aufzustellen, die ofterst spät nachher durch unmittelbare Beobachtungen wahr befunden wer-den, ja die oft selbst den Beobachter auf den richtigen Weg geleitet unddie eigentliche Erfindung vorbereitet haben. Man sollte es daher Nie-mand, der sich dazu aufgelegt fühlt, verargen, Muthmaßungen, selbstgewagte, aufzustellen, und mit Hypothesen zu experimentiren, da dieseSpiele, denn mehr sind sie gewöhnlich anfangs nicht, so lange sie nichtmißbraucht werden, unschuldige Operationen sind, die später sehr nützlichwerden können, wenn sie in die rechten Hände fallen, obschon sie übri-gens, man muß es gestehen, auch schon Unheil genug angerichtet haben.Diese Dinge lassen sich mit dem Feuer vergleichen, von dem man zu sa-gen pflegt, es sey ein vortrefflicher Diener, aber ein sehr gefährlicherHerr.
Da übrigens dieser periodische Lichtwechsel und jene dunklen Fleckenauf der Oberfläche des Satelliten nicht bei jedem Umlaufe desselben umseinen Hauptplaneten sichtbar sind, so scheinen auf dieser Oberfläche öfterbedeutende Umwälzungen vor sich zu gehen, indem sie selbst in der großenEntfernung dieser Himmelskörper von uns noch sichtbar seyn können.Vielleicht sind daher diese Monde, so wie ihr Hauptplanet selbst mitsehr dichten Atmofphären umgeben, in welchen große Revolutionen Statthaben.
H. 146. (Verfinsterungen dieser Monde.) Eben so ist bereits früher(I. tz. 179) bemerkt worden, daß die Verfinsterungen der Satelliten Ju-piters uns ein sehr bequemes Mittel gewähren, die geographische Längeder Bevbachtungsorte zu bestimmen, das besonders auf der See sehr gutangewendet werden konnte, da diese Finsterniße so oft wiederkehren undviel häufiger, als bei uuserm Monde, vorfallen. In den neueren Zei-ten, wo die Theorie und die Tafeln unseres eigenen Mondes zu einer sogroßen Vollkommenheit gebracht worden sind, bedient man sich zu diesemfür die Seefahrt so wichtigen Zwecke vorzugsweise der beobachteten Di-stanzen des Mondes von den übrigen Gestirnen. Allein zur Zeit derEntdeckung jener Satelliten, im Anfange des siebeuzehnten Jahrhunderts,hatte man kein anderes Mittel, die geographische Länge zweier sehr voneinander entfernten Orte zu bestimmen, als eben die Finsternisse dieserSatelliten, da die unseres Mondes zu selten vorfallen, um auf der Seevon großem Nutzen zu seyn.
Sey 8 die Sonne (Fig. 54), I Jupiter, VI!(^ die Bahn der Erdeund abock die Bahn eines Satelliten des Jupiter, wo sich die Erdeund der Satellit von West nach Ost oder in der Richtung und übebewegen. Wenn der Satellit in der Gegend ab seiner Bahn, oder inder Nähe des Schattenkegels «Mck ist, den Jupiter, von der Sonne 8beschienen, hinter sich wirft, so verschwindet er unseren Blicken, sobalder in diesen Schatten tritt, und verursacht dadurch für die Bewohner desHauptplaneten eine Mondesfinfterniß. Wenn aber der Satellit in derGegend eck seiner Bahn, zwischen der Sonne und seinem Hauptplanetensteht, so wirft er seinen eigenen Schatten auf den letzten und erzeugtdadurch eine Sonnenfinsterniß (vergl. I. H. 176). Man sieht daraus,daß die Finsternisse dieser Satelliten im Allgemeinen ganz analog mitdenen unseres Mondes (I. H. 175) sind, obschon sie sich auch wieder ineinigen Nebenumständen wesentlich von ihnen unterscheiden. Wegen derviel größeren Entfernung Jupiters von der Sonne ist nämlich der Schat-tenkegel, den dieser Planet hinter sich wirft, viel länger, und wegen derungemeinen Größe Jupiters ist sein Schatten auch viel breiter, als der