Der Mond. tz. 142.
sollten überhaupt wir allein im ganzen großen Weltalle die einzigenThoren seyn dürfen?
Aber so sehr sie uns auch in diesem Stücke gleichen mögen, in vie-len anderen sind sie gewiß wieder eben so sehr von uns verschieden, undwir würden uns gewiß nicht wenig über ihre Gestalt und über ihr gan-zes Wesen verwundern, wenn wir einmal Gelegenheit haben sollten, zuihnen hinaufzukommen, nicht weniger ohne Zweifel, als sie selbst überuns erstaunen würden, wenn sie uns einmal näher zu Gesichte bekom-men sollten. Gewiß können sie sich eben so wenig vorstellen, wie eshier unten zugeht, als wir selbst uns einen Begriff von ihrem Treibendort oben machen können. Wie sollte es ihnen nur einfallen, daß esauf der großen, lichten Scheibe, die über ihnen am Himmel schwebt,eine so seltsame Gattung von Geschöpfen gebe, die man das menschlicheGeschlecht und zuweilen sogar, ohne Zweifel aus zu großer Bescheiden-heit, das Meisterstück der Schöpfung und Gottes wahres Ebenbild zunennen pflegt; ein Geschlecht, das so thörichte Leidenschaften hegr unddabei so weise Betrachtungen anstellt; das so kurzdauernd ist und dochso weitaussehende Plane anspinnt; das so viele Kenntnisse von den un-nützesten Dingen hat und doch die allernothwendigsten oft so ganz undgar nicht kennt; das so viel Freiheitsdrang neben den knechtischsten Ge-sinnungen und so viel Verlangen nach Glückseligkeit und doch keine Kraft,sie zu erhalten und zu genießen, besitzt?
Uebrigens, was geht das sie an. Gewiß nicht mehr, als sie unsselbst angehen mögen. Genug, wenn jeder von uns mit sich und seinernächsten Umgebung zufrieden ist, oder doch zu seyn sich stellen kann.Warum sollten wir uns auch um sie, die so weit von uns entfernt sind,bekümmern, wir, die wir nicht einmal unsere nächsten Nachbarn kennen,die dapelbe Haus mit uns bewohnen? In der That, wir befinden unsmit diesen Nachbarn schon so lange Zeit auf einem gemeinschaftlichenSchiffe und haben sie noch nicht einmal geseben. Wir bewohnen, wiewir wenigstens glauben, das Vordertheil dieses Schiffes, während dieLeute von Lappland oder die von Neuholland den Hintertheil des Fahr-zeuges einnehmen, und so neugierig auch beide seyn und so gern sie sonstvor fremden Thüren kehren mögen, so weiß doch einer nichts von demanderen und findet es auch kaum der Mühe werth, darnach zu fragen,während sie doch alle gern wissen möchten/was dort oben im Monde,in einem anderen Schiffe vorgeht, das so weit von uns auf dem großenOcean der Welten herumsegelt
Da wir, wie wir aus dem Vorhergehenden wissen, keine Hoffnung ha-ben, je eine Reise in den Mond zu machen, so bleibt uns, mit denBewohnern desselben Bekanntschaft zu machen, kein anderes Mittel übrig,als eine Art von Correspondenz zwischen diesen beiden Schiffen zu etabliren.Aber auf welche Art? — An Posten und Paketboote ist nicht zu den-ken. Aber vielleicht an Telegraphen? — Sie müßten etwas groß seyn,um in der Entfernung von Meilen noch gesehen zu werden. Al-
lein diese Schwierigkeit ließe sich vielleicht, wenn man weder Mühe nochKosten scheiit, noch beseitigen. Die größere und schwerer zu besiegendewürde die Wahl der Zeichen und der Sprache seyn, die man fürdiese telegraphische Correspondenz bestimmen soll. So viel auch Spra-chen auf unserer Erde angetroffen werden, so sind sie doch alle auf demMonde unbekannt, und es ist sehr möglich, daß die Leute dort gar keine