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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
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385
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§. 142.

Der Mond.

fluchten und unjere Erde über sich entrüstet oder uns für bezaubert hat-ten, und was dergleichen Thorheiten mehr seyn mögen, in welchen wirihnen mit unserem Bespiele vorangegangen sind. Denn, um wiedermit Fontenelle zu reden, welches Recht sollten sie haben, gescheuter zuseyn, als wir? Ist der Mond nicht der Satellit, der Diener und Fackel-trager der Erde? Und da diese große Erde in allen ihren Theilen derThorheiten so voll ist, warum sollte der kleine Mond eine Ausnahmevon dieser, wie es scheint, allgemeinen Regel machen? Sie sollten unsin Furcht setzen können und wir sie nicht? Es hat große Völkerschaftenbei uns gegeben, und es gibt ihrer wohl noch, die den kleinen Mond alseine Gottheit angebetet haben, warum sollten dasselbe nicht auch dieVölker im Monde mit der viel größern Erde thun können, und warum

dier den Flüssen zueilen und sich bis an den Kopf ins Wasser stecken,um sich dadurch vor den Angriffen des bösen Geistes zu schützen. Nochsinnreicher stellen sich die Bewohner der Westküste von Afrika vor, daßdie Finsternisse von einer großen schwarzen Katze verursacht werden, dieihre Pfoten auf die Sonne oder den Mond legt. Die Talapoinen oderMönche in Siam geben vor, daß die europäischen Astronomen nur deß-halb die Zeit, die Dauer und Größe der Finsternisse so scharf vorher-sagen können, weil sie den Appetit eines großen Drachen genau kennen,der zur Zeit einer Finsterniß die Sonne oder den Mond verschlingen will.Die sonst so gebildeten Griechen glaubten lange Zeit, daß der Mondzur Zeit der Finsternisse von boshaften Magiern bezaubert werde, dieihn durch ihre Künste vom Himmel herabziehen und dann mit seinemSchaume die Kräuter vergiften und die Thiere tödten. Wir mögen unsimmerhin in Acht nehmen, über diese Völker zu laut zu lachen, da un-sere eigenen Väter vor noch nicht gar langer Zeit es nicht viel bessermachten. Manche meiner Leser haben vielleicht einige von den Schrif-ten gelesen, die zur Zeit der totalen Sonnenfinsterniß des 12ten Mai1706 in allen Theilen unseres auch damals schon sehr schreibsüchtigenDeutschlands erschienen sind. Diese Finsterniß war in der That eine dergrößten, die seit langer Zeit in Europa erschienen waren. Der Schat-ten des Mondes zog beinahe über diesen ganzen Welttheil hin, und die-jenigen Gegenden, welche die Finsterniß total sahen, hatten mitten amTage eine stockfinstere Nacht von beinahe fünf Minuten. Während die-ser Zeit konnte man weder lesen noch arbeiten, und kaum erkannte mansich neben einander. Die Nachtvögel kamen aus ihren Klüften, und dieThiere des Feldes suchten ihre Nachtlager auf. Man konnte neben derverfinsterten Sonne die Planeten Merkur, Venus, Jupiter und Saturnund selbst alle größeren Fixsterne deutlich sehen. Dafür war aber auchdiese Finsterniß der Gegenstand des Gespräches selbst in den sogenann-ten aufgeklärten Zirkeln, und die Gelehrten auf unseren Universitäten lie-ferten tiefsinnige Betrachtungen über die giftigen Nebel, die bei dieserund überhaupt bei jeder Finsterniß auf die Erde fallen, daher man dieBrunnen sorgsam zudecken und das Vieh in ihre Ställe treiben soll, undwas dergleichen Dinge mehr seyn mochten, die man in Kindermann'sReisen in die eröffneten Himmelskugeln 1779 nachsehen kann, welchesWerk damals in Jedermanns Händen war und mit einer Art von Heiß-hunger gelesen wurde, obschon es auch gescheutere Leute gab, die ihreMitbürger eines Bessern belehren wollten, die aber nicht gehört, wohlgar als Freigeister verschrieen wurden.

L i t t r o w.

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