§. 142. Der Mond. 383
liehen Einfluß äußern, daß es uns schwer fallen mag, die Folgen einessolchen Zustandes auch nur in seinen größeren Zügen einigermaßen ge-treu darzustellen. Vielleicht leben die Geschöpfe des Mondes, wie beiuns die Fische, nur in den tiefsten Theilen der Oberfläche desselben, nurauf dem Boden der vielen Höhlen und Abgründe, wo die sonst so dünneLuft, durch den Druck der oberen Schichten verdichtet, für ihre Lungennoch athembar ist, und wo sie, wie bei uns die Thiere im Innern derErde, das Licht der Sonne scheuend, wie unsere Mantwürfe und Regen-würmer wohnen, oder gleich den Austern in ganzen Bänken gelagert,ihre Tage in unthätiger Trägheit verleben. Wer weiß, ob nicht dieMondbewohner, der drückenden, volle vierzehn unserer Tage dauerndenSonnenhitze zu entgehen, sich in jene Höhten flüchten, aus welchen sienur für die Zeit ihrer eben so langen Rächte sich wieder herauswagen?Oder haben sie sich vielleicht eben in diesen Tiefen, wie unsere altenRitter auf den Bergspitzen, ihre Burgen und Städte erbaut? Ist doch,wie man sagt, unser eigenes unterirdisches Rom größer, als das überder Erde erbaute. Man dürfte diese überirdische Stadt nur wegnehmenund den Boden unter ihr aufbrechen, wie man es mit Pompeji und Her-culanum gemacht hat, um sofort auch auf unserer Erde eine solche Mvnd-stadt zu erhalten. Warum sollten wir nil t annehmen dürfen, daß dieLeute im Monde, wenn sie schon einmal da seyn sollen, auch zugleich soklein und eben so thätig und betriebsam wie unsere Ameisen sind, unddaß ihrer daher auf dem Boden einer solchen Höhle nicht weniger insehr bequemen und geräumigen Hänsern beisammen wohnen, als bei unsiu Paris oder London zu finden seyn mögen. Sind nicht vielleicht dieftraßenartigen Gänge und Streifen, von welchen wir oben gesprochenhaben, und welche jene ausgebrannten Krater, jene unterirdischen Städtemit einander verbinden, wahre Straßen oder wahre Kanäle, durch welchealle diese Städte in gegenseitige Communication gesetzt werden? Weitwir nur auf der Oberfläche unserer Erde leben, sollen darum die Be-wohner anderer Weltkörper zu derselben Lebensweise gezwungen seyn?Bei der Liebe zur Abwechslung und selbst zu den auffallendsten Verschie-denheiten, die wir in der Natur schon auf unserem eigenen Wohnortebemerken, sollte da der entgegengesetzte Schluß nicht auch zugleich der
angemetzenste, der wahrscheinlichste seyn? -
Auch mag es mit der großen Trockenheit, d»e auf dem Mondeherrscht, vielleicht lange nicht so arg seyn, als man auf den ersten Blickglauben sollte. Wegen des Mangels an Luft kann wohl die Kälte, be-sonders zu ihrer langen Nachtzeit, wie auf den Gipfeln unserer hohenBerge, sehr groß seyn, nicht minder groß vielleicht, als die darauf fol-gende Hitze, wenn endlich nach vierzehn unserer Tage die Sonne überihm aufgeht und eben so lange über seinem Horizonte verweilt. Aberdiese langen Tage und Nächte erzeugen auch vielleicht durch eine Art vonDestillation im halbleeren Raume eine stete Wanderung aller Feuchtig-keit, die von der durch die Sonne erwärmten Hemisphäre nach der dun-keln Seite des Mondes abfließt. Die Folge einer solchen Einrichtungwürde eine absolute Trockenheit auf der Sonnenseite, und ein immer-währendes Hinströmen der Feuchtigkeit auf die Nachtseite des Mondesseyn, so daß, was wir Regen und Thau nennen, dort regelmäßig allevier Wochen die Runde um die ganze Kugel macht, und daß selbst dieebenfalls um den Mond wandernde Lichtgränze einem Flusse zu verglei-chen ist, der gleich einem beweglichen Reifen die ganze Kugel umspanntund in jedem Monate abwechselnd jeden Theil der Oberfläche mit Wasserversorgt und zur Vegetation vorbereitet, wie es der Nil bei uns nur in