§. 1Z8-1Z9.. Der Mond. 375
scheint, bemerkt man auch keine Seitenadern derselben, durch welche sieZufluß erhalten konnten, aber wohl oft tiefe Abgründe, durch welche sieungehindert ziehen, und in welchen man wieder nichts als Unebenheiten,aber nichts unjerem, an seiner Oberfläche immer ebenen, Wasser Aehn-liches bemerkt. Ja diese Straßen gehen nicht nur über jene Abgründeund Schluchten, sondern oft selbst mitten durch die großen Krater derVulkane; sie durchbrechen zuweilen ganze Systeme von Gebirgen, umauf der entgegengesetzten Seite derselben ihren Gang wieder ungestörtund in der alten Richtung fortzusetzen. Vielleicht sind sie seit Jahrtau-senden ausgetrocknete Flußbette oder Kanäle, durch welche jene Vulkaneehemals in Verbindung standen.
tz. 138. (Vulkane auf dem Monde.) Daß wenigstens einige dieserVulkane selbst jetzt noch thätig sind, scheinen die Beobachtungen Schrö-ters und anderer Astronomen zu bestätigen. Halley und Herschel willBlitze auf dem Monde gesehen haben. Bianchini sah ein vorübergehen-des Licht im Flecken des Plato, welches er durch Sonnenstrahlen zu er-klären sucht, die durch das Loch des Felsens in der Seitenwand desFleckens eingefallen sind. Der ältere Herschel sah auf dem nicht beleuch-teten Theile des Mondes einen hellleuchtenden Punkt, den er für dasFeuer eines Vulkans zu halten sich veranlaßt fand. Schröter fandi. I. 1788 bei dem Flecken Hevelius (am östlichen Rande der Karte)einen l'/z Meilen im Durchmesser haltenden neuen Krater, von dem erfest überzeugt war, daß er im verflossenen Jahre, wo er diese Gegendauf das Genaueste untersucht hatte, noch nicht vorhanden war. In demNuoe Oisium (NäV Rand der Karte) fand er einen Berg, den er mehr-mals auf das Genaueste beobachtet und gezeichnet hatte, und der ihmimmer als länglich erschienen war, plötzlich und mit ausnehmenderDeutlichkeit vollkommen rund und auf seinem Gipfel mit einem, dreiViertheile einer Meile im Durchmesser haltenden tiefen Krater versehen,von welchem er früher auch nicht die geringste Spur entdecken konnte.Das Merkwürdigste dabei war, daß dieser runde Berg mit seinem Kra-ter nach einem Monate wieder verschwand, um dem alten länglichenBerg ohne Krater seine vorige Stelle einzuräumen.
§. 139. (Wie die Höhe der Mondsberge gemessen wird.) Ehe wir diesesonderbaren Berge des Mondes gänzlich verlassen, wird es den Lesernnicht unangenehm seyn, zu erfahren, auf welche Weise man die Höhederselben gemessen hat.
Wenn diese Berge genau an dem Rande der uns sichtbaren Monds-scheibe stehen, so wird man mit dem gewöhnlichen Instrumente, mitwelchem die Astronomen überhaupt alle sehr kleinen Distanzen messen,mit dem sogenannten Mikrometer auch das Verhältniß ihrer Höhe zudem Halbmesser des Mondes bestimmen können. Gesetzt, man hätte einesolche Erhöhung, oder auch, bei den Thälern des Mondes, eine solcheVertiefung, einen Einschnitt des Mondrandes, gleich dem hundertstenTheil des Halbmessers desselben gefunden, so weiß man auch sofort, daßdie Äöhe oder Tiefe desselben 2-/.» Meilen beträgt, weil der Halbmesserdes Mondes 230 Meilen hat. In der That sieht man diesen Rand desMondes, nicht ganz glatt, sondern an mehreren Stellen wie ausgezackt,was nur von diesen Bergen oder Schluchten kommen kann. Wir wer-den weiter unten (III. H. 117) sehen, daß der Mond nicht ganz genauimmer dieselbe Seite der Erde zuwendet, sondern daß der Rand der unssichtbaren Scheibe sich öfter um nahe acht Grade, aus dem Mittelpunkteder Erde gesehen, verschieben kann, daher zuweilen Berge oder Thälerin diesen Rand treten, die früher nicht sichtbar waren. Besonders gut