Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 

-«-i Der Mond. tz. izz.

diese gewaltige Lichtscheibe steht für sie fest und unveränderlich am Him-mel, während sich alle anderen Gestirne, selbst die Sonne, in 29^ unse-rer Tage um diese Scheibe zu bewegen und taglich dreizehn Grade sichvon ihr gen West zu entfernen scheinen. Welch ein Anblick mag dießfür die Bewohner des Mondes gewähren! Man kann nicht weiterzweifeln, daß die Gelehrten im Monde, die gleich den unseren für allessofort ihre Gründe haben, diese auffallende Erscheinung des Stillstandeseines, alle anderen Gestirne an Größe so weit übertreffenden Himmels-körpers, sehr scharfsinnig aus der dieser Größe selbst höchst angemessenenTrägheit ableiten, und daß eben so ihre Dichter, wenn sie das Lob derFaulheit singen, unsere Erde als Muster und als das erhabenste Idealderselben aufstellen werden. Und wer wird es den frnnmen Gemütherndieses Volkes verargen können, wenn sie dieses ungeheure Gestirn mitseinem auffallenden Lichtwechsel als den Abglanz der Gottheit verehren,die in ewiger Ruhe ihren feftgegründeten Thron einnimmt, während alleandern Gestirne des Himmels, Sonne und Planeten nicht ausgenom-men, in abgemessenen Bahnen ehrfurchtsvoll vor ihr vorüberziehen.

H. 132. (Bewohner der vorderen und Hinteren Seite des Mondes.)

Doch gilt dieß erhabene Schauspiel nur denjenigen Mondebürgern, welchedie vordere, gegen die Erde gewendete Hälfte des Mondes bewohnen.Die andern wissen nichts davon, da sie ewig von der Erde abgewendetsind und sie daher nie sehen können. Sie haben daher auch wohl keineAhnung von den herrlichen Erscheinungen, welche ihre Nachbarn auf derandern Hälfte täglich und stündlich genießen, wenn sie nicht zuweilenvon Reisenden, die aus jenen Gegenden zu ihnen kommen, davon Nach-richt erhalten. Mit welchem Erstaunen mögen sie die Erzählungen der-selben anhören, und mit welcher Andacht werden sie vielleicht in ganzenKaravanen ihre Wallfahrten nach den glücklichen Orten anstellen, woihnen der Anblick dieser Wunder des Himmels gegönnt ist. DiejenigenSeleniten, welche nahe an dem Rande der uns sichtbaren Scheibe woh-nen, können diese Reise in kurzer Zeit vollenden, und die Genüsse, die sieerwarten, mögen die unserer sogenannten Reisen um die Welt wohlweit übertreffen.

Uebrigens haben diese glücklichen Bewohner der Vorderseite desMondes noch einen andern nicht geringen Vortheil vor ihren Nachbarnauf der andern Seite voraus, und es scheint dort oben wie hier untenzu gehen, daß dem, der einmal im Vortheile ist, das Glück von allenSeiten zuzuströmen pflegt. Wir haben nämlich so eben gesehen, daß dieErde dem Monde ganz eben solche Lichtabwechslungen zeigt, wie derMond uns, und daß die Bewohner des letzten die große Scheibe derersten bald im Volllichte, bald in einem ihrer beiden Viertel, bald wie-der im Neulichte sehen. Diese vier Phasen der Erde werden ihnen ohneZweifel ein sehr bequemes Mittel geben, ihre langen Tage einzutheilen,so wie wir den Abwechslungen des Mondes unsere Wochen und Monateverdanken. Nebst dieser Eintheilung ihres Tages, oder was dasselbe ist,ihres Jahres in vier gleiche Theile, werden ihnen die großen Fleckender Erde, die sich regelmäßig ihren Blicken zeigen und wieder entziehen,als Mittel zu Unterabtheilungen jener Zeiten, als eine sehr genaue Uhrdienen. Aber auch diesen Vortheil genießen nur diejenigen, welchedie vordere, uns sichtbare Seite des Mondes bewohnen, so wie zugleichnur die Nächte dieser Hemisphäre von der Erde, wenn diese im Voll-lichte ist, beleuchtet, und zwar dreizehnmal stärker, als die Erde vomVollmonde, beleuchtet werden, während die andere Hemisphäre, zu der-