Der Mond.
in den anderen Bereich, in die Attractionssphäre des Mondes kommen,der dieselbe löbliche Eigenschaft besitzt, alles fest zu halten, was er ein-mal, mit Recht oder Unrecht, als sein Eigenthum erklärt hat. Er hatdiese Unart wahrscheinlich von der Erde, deren Trabant er schon so langeist, gelernt, wie sich denn immer die Diener gern nach ihren Herren,wenigstens in ihren Fehlern, zn richten pflegen. Ja es scheint sogar,als ob dieselbe Sitte sich auch auf gewisse zweibeinige Thiere oyne'Fe-dern auf dieser Erde fortgepflanzt habe, die es im Kleinen eben so znmachen pflegen, wie die Erde und der Mond im Grossen. Diese Hab-sucht also, oder diese Herrschlust, oder, wie man auch zuweilen zu sagenpflegt, diese Attractionskraft des Mondes wird die Ursache seyn, dassunser Luftschisi, wenn es demselben einmal nahe genug gekommen ist,nun recht eigentlich zu ihm herab fallen, ja mit einer solchen Heftig-keit herab stürzen wird, dass das ganze Fahrzeug, und wir mit ihm,nur ganz zertrümmert und in dem elendesten Zustande daselbst ankom-men können, wodurch daher, selbst wenn alles Vorhergehende auf dasGlücklichste abgelaufen wäre, der ganze Zweck der Erpedition doch wie-der verloren gehen müsste. '
Womit sollen wir überdieß unsere Aervstaten füllen? — Mit irgendeiner Luftart ohne Zweifel, die dünner und leichter ist, als die, in derwir segeln wollen. Allein unsere atmosphärische Luft ist, in der Höhevon etwa drei Meilen über der Oberfläche der Erde, schon so dünn, daßder sogenannte leere Raum unter unsern Luftpumpen dagegen als sehrdicht angesehen werden kann, und weiter ab hat alle Luft, also auckalles Schiffen in der Luft ganz und gar ein Ende. Wir werden daher,nur um uns von der Erde zu erheben, auf eine Kraft denken müssen,die uns von der Erde so stark abstoßt, dass wir, wie eine aus der Mün-dung der Kanone tretende Kugel, durch diesen Stoß bis zu dem Mondgeschleudert werden. Diese Kraft müsste, wie man durch Rechnung zei-gen kann, so groß seyn, daß sie unser Schiff, in der ersten Secunde sei-ner Abfahrt von der Erde, durch 4i0v0 P. Fuß treiben könnte. Eineso entsetzliche Geschwindigkeit ist nahe dreissigmal größer als die einerKanonenkugel im Anfange ihres Laufes. Wer von uns wird aber aufeiner solchen Kugel, und daher noch viel mehr auf einem so viel schnel-lern Schiffe fahren wollen, das ohne Zweifel gleich in dem ersten Augen-blicke durch die Gewalt dieses Stoßes selbst zertrümmern müßte.
Wie wird es dann mit unsern Lungen stehen in den Gegenden, wokeine Luft mehr ist? Sollen wir uns einen Vorrath davon in Schläu-chen mitnehmen? Sie werden keinen kleinen Raum einnehmen, da wiralle die Zeit unserer Reise davon zehren sollen. Und wenn wir endlich-auf dem Monde ankommen und unsern Vorrath erschöpft finden, sindwir nicht wieder, wo wir früher waren? Denn unglücklicher Weise istauch auf dem Monde selbst keine Luft, wenigstens gewiß keine solche,die der menschlichen Lunge angemessen ist.
Endlich, was vielleicht zuerst hätte gesagt werden sollen, da es ge-wiß den meisten unserer Reisenden, mehr als alles Vorhergehende, jedeLust rauben wird, von der Parthie zu seyn — auf der ganzen, langen,,endlosen Straße gibt es, nicht nur keine guten, sondern überhaupt ganzund gar keine Gasthäuser, ja nicht einmal eine Karavanjerey, wo man,,wenn auch nicht essen und trinken, doch wenigstens eine Weile ausruhenkönnte. Dieser Umstand wird, ich fürchte sehr, die allermeisten unsererReisenden, besonders meine guten Landsleute, selbst viele der sogenann-ten wissenschaftlichen nicht ausgenommen, zurückschrecken. Wer von ihnenwird es der Mühe werth finden, so lange Zeit ohne einen guten Tischs