Uranus. 5. 125.
Bald sollte man e6, fährt er fort, mit Jupiter eben so machen,
obschon er der größte unter allen Planeten ist. Warum nämlich sollten
wir uns so sehr um ihn bekümmern, da er sich doch um uns so wenig
annimmt, da er wahrscheinlich nicht einmal von unserer Existenz etwas
weiß. Unsere Erde erscheint ihm als eine 144 mal kleinere Scheibe, als
er uns erscheint, und wenn daher die Leute dort keine Fernrohre oder
keine Adleraugen haben, so können sie uns mit aller Anstrengung nicht
einmal sehen. Und wenn ja einmal ein glücklicher Astronom mit einem
Riesenrefractor das kleine schimmernde Lichtpünktchen sieht und seine
große Entdeckung in den Journalen ankündigt — was wird die Folge
davon seyn? — Der große Haufe wird es nicht lesen oder darüber
lachen; die Philosophen, mit deren System die neue Entdeckung nicht
übereinstimmt, werden nichts davon glauben; eine andere Gattung von
Leuten werden den armen Astronomen bis in den Tod verfolgen und
noch ein anderer, nicht eben klügerer Theil wird — neutral bleiben und
sich um die ganze Sache, d. h. um uns alle hier unten, nicht weiterkümmern.
Aber die Jupitersbewvhner, mit den Entdeckungen auf ihrem eige-nen Planeten so sehr beschäftiget, daß ihre Colombos wahrscheinlich nichtZeit haben, an uns zu denken, werden, wenigstens nach unseren geogra-phischen Kenntnissen zu schließen, noch nicht einmal den hundertsten Theilihrer Länder und Völker kennen, während die Bewohner Merkurs, undnoch mehr die der vier neuen Planeten, wahrscheinlich sich allesammtschon längst kennen und wohl gar ganz wie die Einwohner unserer Dör-fer unter einander verwandt sind. Ueberhaupt aber mag es mit derAstronomie dieser guten Leute in Jupiter sehr schlecht stehen. Dennauch von der Venus und dem Merkur wissen sie nichts, da jene nur 8und dieser nur 4 Grade sich von der Sonne entfernt und also immerin ihren Strahlen schwimmt. Selbst von dem ihnen nächsten großenPlaneten, dem Saturn, werden sie weder den Ring, noch die siebenMonde sehen, wenn anders nicht ein zweiter Galilei auch bei ihnenschon das Fernrohr erfunden hat. An den eigenen vier Monden werdensie sich vielleicht schadlos halten und die beinahe täglich vorfallendenFinfternisie derselben wahrscheinlich ohne jene Furcht beobachten, dieuns so lange geplagt hat. Doch dürfen wir daraus nicht schließen, daßsie nicht an anderen, vielleicht größeren Uebeln leiden, und wenn sieuns gleichen, so werden sie gewiß auch ein Vorurtheil, oder einen Aber-glauben nur verlass'n, um dafür zehn andern, eben so thörichten, anzu-hängen. Die jahrelangen Nächte, welche auf Jupiter und Saturn herr-schen, könnten allerdings der praktischen Astronomie sehr förderlich seyn,aber die Kälte dieser Jahreszeiten ist wahrscheinlich wieder so groß, daßdie meisten ihre warme Stube allen andern Unterhaltungen vorziehenwerden. Wenn die Natur auf Saturn und Uranus nicht andere Mittelgefunden hat, Wärme zu erregen, als bei uns, so müssen die Bewohnerderselben für die Kälte ganz unempfindlich seyn, und wir würden sie,wenn sie plötzlich nach unserem Lapplande versetzt würden, vielleicht
H) Die Erde erscheint dem Jupiter nur unter einem Durchmesser von Z Se-cunden und immer/sehr nahe bei der Sonne, von der sie sich nie übereilf Grade entfernt, so daß sie, wenn unsere Erde je dort sichtbar ist,immer nur kurz vor dem Aufgange oder gleich nach dem Untergängeder Sonne an dem Horizonte des Beobachters bemerkt werden kann.