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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
359
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§- 125

Uranus.

^eute daselbst, die nun aber seit so langer Zeit auch hoffentlich darangewöhnt Und, wenn sie plötzlich in die Mitte Afrika's versetzt würden,vor Kälte klappern und am Ende ganz erfrieren müßten. Unser Goldund Silber mutz dort, der ungeheuern Hitze wegen, im beständigen Flusseseyn, wie bei uns das Quecksilber -), und da dieses geschmolzene Metalldas eigentliche Wasser ihrer Ströme ausmacht, so lassen es sich die gu-ten Leute wohl nicht einfallen, daß es andere Welten gibt, wo mandieses Wasser nur als den härtesten Körper kennt und dasselbe als Mün-zen bei sich in der Tasche herumträgt. Seine Tage müssen offenbar sehrkurz seyn ^), oder er muß sich sehr schnell um seine Are drehen, weilsonst die armen Leute auf diesem Planeten von der glühenden Esse, dieüber ihren Häuptern schwebt, ganz gebraten werden müßten. Daherdürfen wir uns auch nicht sehr verwundern, wenn wir einmal hinkom-men und sehen, daß sie Alle im Kopfe nicht recht richtig sind, daß denmeisten das Gehirn verbrannt ist und daß sie stets lustig und leichtsin-nigwie die Kinder und die Narren in den Tag hinein leben, undnur froh sind, wenn die küble Nacht wieder kömmt, wo sie von ihrenSprüngen und von der Sonnenhitze etwas ausruhen können.

Was nun weiter die Venus betrifft, so sind die Bewohner dersel-ben lauter Seladons und Sylphiden, Romaneuhelden und Heldinnen,verliebte Zeisige, die, wie unsere Dichter, von nichts als Liebe girrenund sich damit einander oft ganz entsetzliche Langeweile machen. VonPhilosophie, Mathematik und andern ernsthaften Dingen ist da dasganze Jahr keine Rede, nicht einmal Zeitungen lesen sie und überhauptgar keine Bücher, weit sie vor lauter Liebeleien nicht dazu kommen kön-nen, ausgenommen den weinerlichen Siegwart und die jämmerliche Pal-mela, die aber dort in allen Sprachen übersetzt und schon, so lang sieauch sind, von den kleinsten Kindern in den Schulen auswendig herge-sagt werden müssen. Und dabei ist dieses verliebte Völkchen das häß-lichste von der Welt, schwarz, von der Sonne halb zu Kohlen verbrannt,aber dabei doch immer lustig und munter. Nirgends soll es mehr Dich-ter oder wenigstens Versemacher geben, und der Musik, der Tänze undFestgelage soll dort gar kein Ende seyn, und kurz, wenn sie, wie übri-gens alle Bewohner heißer Gegenden, nicht gar so mäßig lebten, dennsie sollen beinahe nichts essen und bloß von der Luft leben, so würdeman das bekannte schöne Dystichon unseres Schiller, womit er eine großeQaupt- und Residenz-Stadt des ehemaligen h. römischen Reiches so tref-fend geschildert hat, ohne alle Umänderung auf sie anwenden können.

Von dem Planeten Mars, sagt unser Verfasser ganz kurz, wer,;ich gar nichts Merkwürdiges anzuführen, daher er es auch nicht ver-dient, daß wir uns weiter bei ihm aufhalten.

«) Fontenelle hat hier, wie sonst öfter, übertriebe», und seme Farben et-was zu stark aufgetragen. Auf Merkur ist die B-leuchtung und al,o v.el-l-icht auch die Temperatur, nur sechs- oder siebenmal großer, als be.uns, allein zum Schmelzen des Goldes und Silbers mußte d.e H.tze

einige tausendmal größer seyn.

Sie sind aber nahe so lang, als die Tage der Erde.

'""I Der Uebersetzer Fontenelle's, Bode, macht dazu ganz ernsthaft die Be-merkung:Sonderbar! Man findet doch sonst be. uns , m Berlin, daßeine große Hitze den Geist eher schläfrig und trage, als lebhast mache.