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UranuS.
§. 125.
Dieser Jesuit fingirt eine Reise, die er an der Hand eines Genius, vonPlaneten zu Planeten, gemacht hat, und erzählt uns, was ihm daselbstzu Gesichte gekommen seyn sott. Seine Phantasie scheint lebhaft genug,aber nicht gehörig geregelt, noch durch hinlängliche Kenntnisse unterstütztgewesen zu seyn. Dabei setzt dieser alte Gegner des Copernicns voraus,daß sämmtliche Planeten unbewohnt seyen, und daß man auf ihnennicht einmal Pflanzen und Bäume finde, wodurch er sich selbst alle Mit-tel zu artigen Erfindungen, um die es sich hier allein handelte, abge-schnitten har. Den Einwnrf, daß bei dieser Voraussetzung die Plane-ten ganz unnütz sind und eben so gut völlig wegbleiben könnten, wider-legt er dadurch, daß er beweist, sie seyen alle der Erde und zwar derastrologischen Einflüsse wegen da, die sie auf die Erde ausüben. Diesemgemäß fand er auf der Venus Alles gar lieblich und schön, wie es demWohnsitze der Liebesgöttin ziemt; ein sanftes Rosenlicht war über denganzen Planeten ausgegossen, Wohlgerüche dufteten rings umher, Ze-phire säuselten in das Gemurmel der Bäche, und ringsum glänzte Allesvon Gold und Edelsteinen. Auf dem Jupiter fand er die Luft äußerstrein und gesund, das Wasser spiegelhell und die Erde selbst wie Silberglänzend. Wie konnte er auch anders, da, nach der Lehre der Astrolo-gen, der Einfluß dieser beiden Planeten auf die Menschen durchaus nurder glücklichste ist, und da die von ihnen begünstigten Leute bald durchSchönheit und Liebenswürdigkeit, bald durch männlichen Muth und ho-hen Verstand ausgezeichnet werden. Auch im Merkur war es noch er-träglich, nur ging es ihm daselbst zu lebhaft und quecksilberartig zu, ausUrsache, weil die in seinem Zeichen Gebornen mit Leichtsinn und schalk-haftem Wesen begabt zu seyn pflegen. Ganz anders war sein Empfangauf dem Mars, dem rauhen Kriegsgotte, wo er Alles fürchterlich undabschreckend sah, wo große Ströme von flammendem Pech sich über ihrUfer ergötzen und ganze Länder in dichten, erstickenden Rauch hüllten.Roch schlechter endlich war es auf Saturn, der ihm als ein weites, ein-sames, finsteres Grab erschien, von dem nichts als Unheil zu erwartenwar, daher er sich denn auch so geschwinde als möglich wieder von ihmzu entfernen suchte. Man weiß nämlich, wie übel die zwei letzten Pla-neten bei den Astrologen angeschrieben waren, daher sich auch hier nichtsGutes von ihnen sagen ließ. Da diese kurzen Besuche nicht hinreichten,unsern Reisenden vollständig zu unterrichten, so wendet er sich noch miteinigen nachträglichen Fragen an seinen Genius, der ihm dann erzählt,daß das Firmament keineswegs von Krystall sey, wie Kircher mit vielenAndern bisher glaubte, sondern daß es eine Art von Wasser, ein großerOcean wäre, in welchem die Sonne, die Planeten und die Fixsterne,wie Fische, herum schwimmen , daß aber die Bewegungen dieser Fischevon eigenen Genien geleitet würden, die denselben mit einem Stäbe ihreBahn im Wasser vvrzeichnen; daß übrigens dieses Wasser, so wie das,welches die Bäche der Planeten bildet, kein gewöhnliches, sondern einganz anders beschaffenes Wasser sey, daher auch mit demselben ein Judeoder Heide nicht gültig getauft werden könne, und was dergleichenDinge mehr sind, die ich weiter zu erzählen Anstand nehmen muß, dasie in der That nicht bloß für einen Genius, sondern selbst für einensolchen Schüler eines Genius gar zu albern sind, als daß man längerbei ihnen verweilen könnte.
§. 125. (Fontenelle'ö Ansichten von den Bewohnern der Planeten.) Hö-ren wir dafür noch, auf welche Weise Fontenelle diesen Gegenstand inseinen bekannten Dialogen über die Mehrheit der Welten behandelt. —Auf dem Merkur, sagt er, ist die Hitze so unmäßig, daß die guten