Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

Venus

§. 64.

gang statt haben soll. Bei Merkur ist dieser äußerste Abstand vomKnoten 3° 28', also viel größer, und dieß ist auch die Ursache, warumdie Durchgänge Merkurs viel häufiger sind, als die der Venus.

Diese Durchgänge der Venus fallen seit dem Anfange des I7tenJahrhunderts immer entweder in die erste Hälfte des Junius oder desDezember, und dieß wird bis zu dem Jahre 3696 unserer Zeitrechnungder Fall seyn, so daß immer zwei nächstfolgende Durchgänge in denJunius, und die zwei auf diese kommenden in den Dezember fallen.Fängt man mit einem solchen Durchgange an, der der erste von den bei-den in den Junius fallenden ist, wie dieß z. B. mit dem des Jahres1761 der Fall war, so kommen die anderen Durchgänge nach der Reibein 8, !05'/2, 8, I21'/z Jahren, nach welchen sich dieselben Perioden von8, lull'/? u. s. w. immer wiederholen. Diese Bemerkung gibt ein ein-faches Mittel, die Zeiten aller folgenden Durchgänge zabfinden, wennman einmal einen derselben kennt. Die unten folgende Tafel gibt die-selben für mehrere Jahrhunderte mit aller hier wünichenswerthen Ge-nauigkeit an.

H. 64. (Die ersten beobachteten Durchgänge der Venus.) Kepler wares, der diese Erscheinungen mit Dülfe seiner neuen Planetentafeln, dieer dem Kaiser Rudolph Ich zu Ehren die Nndolphinischen nannte, zuerstankündigte, und dadurch die Astronomen auf die,e wichtigen Beobach-tungen aufmerksam machte. Ohne diese Vorausberechnungen würde mansie nicht gut beobachten können, da man den Augenblick nicht weiß, wannsie statt haben. Ans dieser Ursache sind auch alle früheren Erscheinun-gen dieser Art verloren gegangen. Man würde sie aber wahrscheinlichauch mit diesen Vorausbestimmungen nicht beobachtet haben, da wohlnur wenige Augen so swarf sind, um die Venus «elbst zu einer Zeit, woihr Durchmesser am größten ist und 58 Secunden beträgt, ohne Fern-rohr in der Sonne sehen zu können. Schon Gasiendi hat sich durch Er-fahrung überzeugt, daß keiner seiner Freunde einen schwarzen rundenFlecken in der Sonne mit freien Augen sehen konnte, obschon'der Durch-mester derselben 86 Secunden betrug.> Die beiden Durchgänge derVenus, die Kepler im Jahr 1627 auf diese Weise ankündigte, waren dieder Jahre 1631 und 1761, von welchen der erste auf den 6ten Dezemberund der andere auf den 5ten Junius von ihm berechnet wurden. Beidehatten auch in der That statt, und zwar der erste nur wenige Tage nachseinem Tode, da Kepler am 15ten November 1631 starb. Einen andernzwischen jene beiden fallenden Durchgang, der am 4ten Dezember 1639 ein-trat, hatte Kepler übersehen. Halley, welcher der erste die Wichtigkeitdieser Erscheinungen eingesehen und auch bekannt gemacht hatte, berech-nete die 17 nächstfolgenden Durchgänge der BennS bis zu dem Jahre2117 voraus, und theilte sie den Astronomen in den IBnIo«. lüunsaet.

von 169« und 1716 mit. ^ ^

Eben dieser von Kepler in seiner Rechnung uberjehene Durchgangdes Jahres 1639 war der erste, der je von einem Astronomen beobach-tet worden ist. Horrox in England berechnete einige Zeit zuvor eineastronomische Ephemeride, aber nach den Tafeln von 5,'ansberg, die zwarviel weniger genau waren, als die Rndolphini,chen Tafeln, die aber dochzufällig einen Durchgang der Venus für den 4ten Dezember 1639 anzeig-ten, während die Kepler'scben Tafeln keinen gaben. Da er in die erstenTafeln ein besonderes Vertrauen sehte, ,o lcbickte er sich zu der Beobach-tung an, und er sah in der That durch nahe eine halbe Stunde die Ve-nus in der Sonne, so wie auch sein Freund Crabtree, der nur wenigeMeilen von ihm wohnte, und den er von dem Ereignisse benachrichtigthatte. Allein diese Beobachtung hatte keine Folgen für die Wissenschaft,