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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
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300
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Zjsj» Venus. §. 57-S8.

überdieß zu den sehr seltenen Erscheinungen. Die Bewohner dieses Pla-neten scheinen daher eine viel reinere Luft, einen viel heiterern Himmelzu genießen, als wir, und da es ihm an so starken Ausdünstungen fehlt,wie bei uns die Seen und Meere erzeugen, so mag es dort wohl auchan solchen großen Wasserbehältern fehlen und vielleicht alles in einemZustande der Trockenheit oder der Krystallisation seyn, den wir ebenfallsauf unserm Monde bemerken.

H. 57. (Berge auf der Venus.) Die so eben erwähnte Lichtgränzeder Venus nimmt nicht nur, in Beziehung auf ihr Locht, allmählig anHelligkeit ab, sondern sie geht auch, so wie wir dieß sehr deutlich beiunserm Monde bemerken, nicht regelmäßig in ihrer Krümmung fort,sie wird vielmehr häufig gebrochen und gleichsam ausgezackt. Beson-ders auffallend sieht man dieß an den beiden Enden der Lichtgränze,an den sogenannten Hörnern derselben, die bald viel zu tief in die dunkleVeite hineintreten, bald wieder sich zurückziehen, bald abgestumpft, baldwieder sehr zugespitzt erscheinen. Dieß scheint auf hohe Berge und tiefeThäler zu deuten, durch welche der regelmäßige Zug der Lichtgränze un-terbrochen wird. Diese Vermuthung wird vollkommen bestätigt durchdie vielen isolirten, lichten Punkte, die man in der Nachtseite, oft selbstin einer beträchtlichen Entfernung von der Lichtgränze, erblickt, und dienichts anders seyn können, als hohe Berge, deren Gipfel von der unter-gehenden Sonne noch beschienen werden, wenn ihr Fuß bereits tief indie Schatten der Nacht herabgesunken ist. Man sieht leicht, daß ebendiese Entfernung der Lichtpunkte von der Schattengränze ein Mittel gibt,die Höhe dieser Berge zu messen, da die Gipfel der höhern Berge offen-bar früher vor dem Aufgange, oder später nach dem Untergange derSonne von ihr beleuchtet seyn werden, als die kleineren. Schröter, derdiesen Gegenstand mit besonderem Eifer verfolgte, fand, daß Venusüberhaupt sehr gebirgig ist, und daß viele dieser Berge eine Höhe haben,gegen welche die höchsten Berge unserer Erde nur sehr klein erscheinen.Er fand Berge, die bis zu einer Höhe von sechs Meilen heransteigen,und die daher sechsmal höher sind, als der Chimborassv oder der Dhawa-lagiri. Auch hier, wie bei andern Planeten, wie selbst bei der Erde,findet man die größten und höchsten Gebirge in der südlichen Hemi-sphäre, wovon wir die Ursache noch nicht angeben können. Es wäremöglich, dajz Süd und Nord nicht bloß eine mathematische Unterschei-dung sind, und daß damit eine allgemeine, durch unser ganzes Svstemwirkende Kraft im Zusammenhange stehe, wie wir diese z. B. schon beiunserm Magnetismus bemerken.

H. 58. (Rotation der Venus.) So lange man diese Berge der Venusnicht kannte, war es schwer, die Rotation -derselben zu bestimmen, dasie, wie bereits gesagt, nur sehr wenige ausgezeichnete'Flecken hat. Do-minic Cassini, der Stammvater jener astronomischen Familie, die bisin ihr viertes Glied der Sternwarte in Paris vorstand, hatte bei dieserBestimmung der Umdrehung der Venus über viele Hindernisse zu klagen,da ihm doch die Beobachtung der Rotation von Mars und Jupiter sehrleicht und gut gelungen war. Nur mit großer Mühe setzte er die Um-drehungszeit der Venus auf 23.3 unserer Stunden fest. Bianchini aber,der ebenfalls mit für seine Zeit sehr vorzüglichen Fernröhren verfehenwar, fand sie etwa 60 Jahre später gleich 24.1 Stunden. Schröter, derdiese Planeten über zwanzig Jahre mit Eifer beobachtete, fand mit Hilfe sei-ner sieben und siebenundzwanzigfüßigen Herschel'schen Telescope, diese Um-drehungszeit der Venus gleich 23 St. 21 Min., also nahe so, wie fchon D.Cassini im Jahre 1666. "Schröter benutzte dazu besonders die bereits oben