Merkur. §. 4S-48.
den derselben die Flüssigkeit des Kalksteines gar wohl möglich seyn kann.Und schon die nächste Generation sah die Bestätigung dieser eben soglücklichen, als kühnen Voraussage. Was Hntton bloß als Meinung,aber als eine auf Verstand und Erfahrung gegründete Meinung, vorge-tragen hatte, wurde bald darauf eine Thatsache, die jeder sehen, dieNiemand mehr bezweifeln kann. James Hall schmilzt jetzt den Mar-mor, wie wir Wachs, wie wir alle Metalle schmelzen, und zwar bloßdurch Zurückhaltung der Kohlensäure unter einem heftigen Drucke.
H. 4«. (Atmosphäre Merkurs.) Um wieder zu den Phasen Merkurszurückzukehren, so muß noch bemerkt werden, daß man sie zwar in un-sern besten Fernröhren sehr deutlich und unbezweifelt als solche erkennt,daß aber doch die Grenzen derselben, dort wo sie die dunkle Seite desPlaneten berühren, immer unbestimmt und gleichsam verwachsen sind.Man hat die Ursache davon zuerst darin gesucht, daß Merkur immerdem Lichte der Sonne zu nahe und von uns nur in kleinen Hohen überdem Horizonte gesehen wird, wo unsere Luft noch zu dicht und mitfremdartigen Dünsten gemischt ist. Allein Schröter erkannte bald, daßder wahre Grund dieser Erscheinung nicht in unserer, sondern vielmehrin der Atmosphäre Merkurs zu suchen ist. Er hatte nämlich öfter ein-zelne Gegenden der Oberfläche dieses Planeten sich plötzlich aufhellen undnach einiger Zeit wieder verdunkeln sehen, und er schloß daraus, daßdieß Wolken sind, die über diesen Planeten hin ziehen. Da sich nunWolken ohne ihren Träger, die Atmosphäre, nicht denken lassen, so wardadurch auch die Existenz der Atmosphäre Merkurs nachgewiesen. Daaber eine solche, ihrer Natur nach, in den untern, dein Planeren nähernSchichten, immer dichter seyn muß, und da die Lichtgränze jener Phasendiejenigen Gegenden des Planeten bezeichnet, für welche die Sonne ebenauf- oder untergeht, so war daraus jene Unbestimmtheit der Lichtgränzeauf eine eben so leichte als genügende Weise zu erklären.
H. 47. (Rotation Merkurs.) Eigentliche Flecken, wie bei der Sonne,konnte Schröter auf der Oberfläche Merkurs nicht finden, weil vielleichtdas zu nahe Licht der Sonne sie uns zu sehen hindert. Sonach wäre esalso auch unmöglich gewesen, über die Rotation dieses Planeten umseine Axe irgend etwas festzusetzen. Allein die eben erwähnte Beobach-tung der nur unbestimmt begrenzten Phasen, die Schröter sehr langefortsetzte, gab ihm Gelegenheit, in ihnen selbst ein Mittel zu finden,die Rotation des Planeten zu erkennen. Er fand nämlich, daß die eineSpitze des sogenannten Horns des beleuchteten Theils seiner Gestalt, sichnach einer regelmäßigen Periode ändere, was wahrscheinlich von großenGebirgen in der Nähe des einen Pols verursacht wird, und indem erdiese Periode genau zu bestimmen suchte, fand er, daß sich Merkur inder That um seine Axe drehe, und zwar sehr nahe in derselben Zeit,in welcher auch die Erde sich um sich selbst bewegt, so daß also die TageMerkurs mit den unsern nahe von gleicher Dauer sind.
H. 48. (Jahreszeiten auf Merkur.) Wenn aber auch sonach die Ta-geszeiten auf diesen beiden Planeten nur wenig verschieden sind, so sinoes dafür die Jahreszeiten desto mehr. Zwar nicht an ihrer Intensitätoder in ihrem gegenseitigen Verhältnisse, denn diese hängt, wie wir oben(I. Cap. VI?.), gesehen haben, von der Neigung der Bahn des Planetengegen seinen Aequator oder von der sogenannten Schiefe der Ekliptik ab(I. §. 85.), und diese ist bei Merkur, wo sie 2» Gr. beträgt, nur wenigvon dem bei uns verschieden, wo sie gleich 23 Gr. 28 Min. ist. Alleindie Schnelligkeit des Wechsels dieser Jahreszeiten ist dort viel größer,als hier, dort, wo jede der vier Jahreszeiten nur drei Wochen, oder