§. 45. Merkur. «>87
stigsten, wenn er etwas näher bei seiner untern Conjunction mit derSonne und nahe 15 oder ,8 Grade von derselben entfernt ist.
H. 45. (Phasen Merkurs.) Es ist bereits gesagt worden, daß dieserPlanet uns ähnliche Lichtabwechslungen, wie der Mond, zeigt, wasoffenbar von seiner Stellung gegen Sonne und Erde kömmt. Die bloßeAnsicht der Fig. 3!) wird hinreichen, diese Phasen Merkurs mit allenihren Eigenheiten zu erkläret,. In seiner obern Conjunction (I) ister am weitesten von der Erde 4 entfernt, erscheint uns also auch amkleinsten. Da aber hier die von der Sonne 8 beleuchtete Hemisphäreganz der Erde zugewendet ist, so hat er die Gestalt einer ganzen kreis-runden, lichten Scheibe, wie der Mond zur Zeit seines Vvlllichtes. Inseinem ersten Viertel (2) zeigt er uns nur mehr die eine Hälfte seinerbeleuchteten Hemisphäre auf seiner Westseite. Wenn er in seiner Bahnnoch weiter fortrückt, und nach (3) in seine untere Conjunctionkommt, so steht er der Erde am nächsten, und müßte ihr daher amgrößten erscheinen. Allein da er hier seine beleuchtete Seite ganz vonder Erde wegwendet, so sehen wir ihn gar nicht. Bisher war MerkurAbendstern, oder man sah ihn nur nach Sonnenuntergang im Westenan der östlichen Seite der Sonne; allein so wie er über (3) hinaustritt,wird er Morgenstern und erscheint vor Aufgang der Sonne im Ostenauf der westlichen Seite der Sonne. Anfangs, wo er der Sonne nochsehr nahe ist, sieht man ihn nur gleich einem feinen Silberfaden, wieden Mond in den ersten Tagen nach dem Neulichte, und seine östlicheSeite wird immer mehr beleuchtet, bis er in (4), in seinem letzten Vier-tel, uns die Hälfte seiner lichten Hemisphäre, und endlich in (I) wiederdie ganze beleuchtete Scheibe zuwendet (Nergl. I. H. 94—112). Allediese Erscheinungen sind den Beobachtungen vollkommen gemäß, und esist bereits oben (l. Cap. Vlll.) gesagt worden, daß man diese Phasenals einen der treffendsten Beweise des Copernicanischen Planetensystemsansehen kann. Zwar hat man eben die Abwesenheit derselben (da man,selbst bei der Venus, diese Phasen ohne Fernröhre, die damals nochunbekannt waren, nicht sehen konnte) als einen Beweis gegen dießSystem brauchen wollen, aber nichts beweist mehr die Sicherheit unddie innige Ueberzeugung von der einmal erkannten Wahrheit, als daßCopernicus sich durch diesen, damals allerdings sehr gewichtvollen Ein-wurf, nicht hindern ließ, sondern kühn behauptete, daß diese Phasenganz gewiß epistiren, und daß wir sie nur nicht sehen können, weilunsere Augen dazu zu schwach sind. Und in der That, kaum war dasFernrohr erfunden, als auch Galilei schon diese Lichtwechsel, wenigstensbei der Venus, wo sie viel leichter zu sehen sind, entdeckt hatte. 7-.DieGeschichte der Wissenschaften enthält vielleicht nur noch einen einzigenanalogen Fall eines ähnlichen beharrlichen Fefthaltens an der einmalentdeckten Wahrheit. Als Hutton seine Theorie von der Consolidationder Felsen durch Anwendung der Hitze in einer großen Tiefe unter demSpiegel des Meeres vortrug, und diese besonders auf den einst flüssigenMarmor anwendete, wurde ihm entgegnet, daß wenigstens bei dieserund überhaupt bei allen kalkigen Steinäxten eine solche Ursache der Con-solidation nicht zugelassen werden könne, weil die Hitze die Substanzderselben auflöst und sie in Kalk verwandelt, indem sie die Kohlensäureaus dem Steine treibt und nichts als eine Masse zurückläßt, die nichtweiter flüssig gemacht und nicht einmal durch Hitze verändert werdenkann. Allein Hutton antwortete darauf, das; der große Druck, unterwelchem die Hitze auf diese Steinarr angebracht worden ist, die Tren-nung der Kohlensäure hindern muß, und daß daher bei dem Zurückblei-