Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

49-^-üv. Merkur. ^89

naher 22 Tage dauert, während sie bei uns 91 Tage, also mehr als vier-mal lange wahrt. Die>er lchnelle Wechsel der Temperatur wird viel-leicht auf der Oberfläche Merkurs eine Art von immerwährendem Frnh-lingswetter hervorbringen^ wenn nicht die Zeit der Anwesenheit der Sonnebei Tag wegen ihrer großen Nähe eine zu starke Kntze erzeugt, die vonder darauf folgenden Nacht nicht wieder völlig abgekühlt werden kann.Wenn man bedenkt, welche wichtige Rolle das Licht schon auf unsererErde ipielt, ,o darf man auch voraussetzen, daß die Sonne auf dem vonihr vorzüglich begünstigten Planeten nicht nur mit stärkeren Farbenmalt, ,ondern auch mit größerer Kraft in sein Inneres dringt, und daßlchon aus die,em Grunde die Pflanzen und Thiere, welche diesen Pla-neten bedecken, von denen unserer Erde ungemein verschieden seyn werden.

H. 49. (Hohe Berge auf Merkur.) Noch mag bemerkt werden, daßSchröter auf dem Merkur sehr hohe Berge entdeckte, die sich in Zügenvon 40 und 6V Meilen Länge hinziehen. Die größten derselben solleneine Höhe von 58000 Fuß, also mehr als die doppelte Höhe der größtenBerge der Erde haben. Die meisten und höchsten dieser Berge findetman bei diesem sowohl als auch bei allen andern Planeten, auf der süd-lichen Hemisphäre. Es ist möglich, daß sie zur Milderung der hohenTemperatur, die auf der Oberfläche Merkurs herrschen mag, nicht wenigbeitragen.

§. 50. (Vorübergänge Merkurs vor der Sonnenscheibe.) Wenn dieserPlanet zur Zeit seiner untern Conjunction sin (3) der Fig. 39s nahebei der Ekliptik, also auch nahe bei leiner Knotenlinie (f. Bd. I.) ist, sosieht man ihn als einen kleinen, runden, schwarzen Flecken vor der Son-nenscheibe vorübergehen. Man nennt dieß einen Durchgang des Pla-neten. Der scheinbare Durchmelier detzelben wird dann von der Erdeunter dem Winkel von 12 See. gesehen. Bei der gegenwärtigen Lageseiner Knoten können diese Durchgänge nur in den beiden MonarenMai und November statt haben. Kepler kündigte der erste aus den vonihm selbst entworfenen Tafeln dieses Planeten einen solchen Durchgangfür das Jahr 1631 an, den auch Gafiendi am 7. Nov. dieses Jahrs inParis beobachtete. Seit dieser Epoche sind viele solche Durchgänge ge-sehen worden. Sie kommen gewöhnlich in Perioden von 13, genauervon 26 oder auch 46 Jahren wieder und dienen den Astronomen zurCorrection der Elemente (s. Bd. I.) dieses Planeren, oder zur Verbes-serung seiner Tafeln. Das folgende Verzeichnis; gibt die nächstfolgendensichtbaren Durchgänge dieses Planeten. Die zweite Columne enthält diemittl. Par. Zeit der Conjunction oder den Augenblick, in welchemder Mittelpunkt der Sonne und des Planeten von der Erde gesehendieselbe Länge haben; die dritte gibt die Zeit der Mitte des Durchgangs,die vierte die halbe Dauer desselben und die fünfte die kürzeste Distanzder beiden Mittelpunkte der Sonne und des Merkurs.

Littrow.

19