Die Lwnne. §. 34.
später verschwand der erste Flecken an dem westlichen Rande der Sonne,nnd nach etwa zwei Wochen sah er ihn an dem östlichen Rande wiedereintreten. Er schloß daraus mit Recht, daß diese Flecken sich um derSonne Mittelpunkt bewegen. Seine Freude über diese Entdeckung wnrdedadurch etwas vermindert, daß er die Veränderlichkeit der Gestalt dieserFlecken, ja sogar ihr völliges Verschwinden in der Mitte der Sonnen-scheibe bemerkte, und daß also diese Flecken keine permanenten Körpersind. Demungeachtet zieht er aus seinen Beobachtungen mit Recht denSchluß, daß die Sonne sich um sich selbst drehen müsse, wie dieß schonJordan Bruno (der i. I. 1600 wegen seiner zu liberalen religiösen Ge-sinnungen lebendig verbrannt wurde), und später auch Kepler behaup-tet hatte.
Der bereits erwähnte Jesuit, Christoph Schein er aus Schwaben,suchte die Entdeckung der Sonnenflecken für sich selbst zu vindiciren.Sein Werk Uosu llisina, welches die Beobachtungen dieser Flecken ent-hielt, erschien aber erst i. I. 16Z0 zu Bracciano in Italien. Er sollden ersten Flecken zu Jngolstadt, wo er Professor war, im März 1611gesehen und ihn seinen Zuhörern gezeigt haben. Die Nachricht davonverbreitete sich, wie er sagt, sehr schnell, und er wurde von mehrerenFreunden dringend ersucht, seine Entdeckungen bekannt zu machen, alleiner wurde daran durch die Betrachtung gehindert, daß die Sache zu neuund mit den Grundsätzen der Philosophie seiner Zeit nicht im Einklängeerscheinen würde. Flecken oder Fehler in der Sonne zu sehen, schienallen bisher gehegten Ideen von diesem Gestirne, dem Sinnbilde derhöchsten Reinheit, zu widersprechen. Demungeachtet wollte er es endlichwagen, seine Beobachtungen öffentlich mitzutheilen, aber sein Provin-zial, Theodor Busäus, ein peripatetischer Zelot, hielt ihn davon zurück,indem er ihm sagte: »Von solchen Dingen habe ich nichts in meinem»Aristoteles gelesen; das sind bloße Einbildungen oder Fehler deines»Auges, oder auch deiner Gläser, mein Sohn, und du wirst besser thun,»diese Sache bei dir zu behalten." — Demungeachtet konnte Scheinernicht ganz schweigen, und gab daher seinem Freunde Velser, Bürger-meister von Augsburg, im December 1611 in drei Briefen von seinerEntdeckung Nachricht, welche Briefe denn Letzterer im Januar 1612unter dem angenommenen Titel: post tnljuluin drucken ließ.
Auch Galilei hatte diese Flecken schon im Anfange des Jahres 1611,al>o nahe gleichzeitig mit Fabricius, gesehen, und darüber sogleich sehrrichtige Ansichten aufgestellt. Später entwickelte sich ein heftiger Streitzwischen Galilei und Scheiner, indem der Erste den Andern des Plagiatsbeschuldigte, und behauptete, die Sonnenflecken vor Allen zuerst gesehenzu haben. Wie dieß auch seyn mag: Scheiner bat wenigstens die Son-nenflecken mit fortgesetztem Fleiße beobachtet. Sein Werk enthielt 774Follvftlten, die ganz diesen Beobachtungen gewidmet sind, und mansiebt, daß er auch die Theorie dieser Flecken, und ihre Bewegungen imAllgemeinen richtig aufgefaßt hatte. Galilei lobte ihn früher selbst we-gen seines hohen und seltenen Talentes, und Äevel, dem in dieser Sachewohl ein Urtheil zustand, nennt ihn einen Mann iiicoiupaiuIiZIi« et
OnmiAezme eiusiitioiti«, qui Ime in re ninnidn« pniinuin nrueripuit.
Scheiner beobachtete die Sonnenflecken unausgesetzt, von dem Jahre1618 bis 1627, durch neun Jahre, und reduzirte alle seine Beobachtun-gen auf die Ekliptik. Wir werden bald sehen, zu welchem Zwecke dieseBeobachtungen eigentlich angestellt worden, und daß eben diesem Zweckedie bereits erwähnte Veränderlichkeit dieser Flecken sehr hinderlich ist.Es wäre sehr zu wünschen, daß man unter den vielen, die oft in kurzer