Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

. . . Die Sonne. §. 3o.

abgenommen hätte, so würden wir jetzt den scheinbaren Durchmessernur um eine Secunde, d. h. um eine Größe kleiner sehen, über die un-sere besten Beobachter noch ganz im Zweifel sind. Ja wenn der wahreDurchmesser der Sonne selbst täglich um einen Fuß kleiner würde, sowürde dieß in dem scheinbaren Durchmesser erst nach 12000 Jahren eineVerminderung von zwei Secunden erzeugen. Demungeachtet kann mannicht läugnen, daß diese Abnahme, so klein sie auch an sich selbst seynmag, in der Folge von vielen Jahrtausenden endlich beträchtlich werdenmuß, selbst wenn man annimmt, daß die einzelnen Elemente eines jedenSonnenstrahls vielleicht durch Taufende von Meilen von einander getrenntseyn mögen. Das Sonnenlicht ist über 300000 mal stärker, als das desPollmondes, und nahe 800 Millionenmal so stark, als das des Sirius.Auch scheidet die mit ihrem Lichte wenigstens scheinbar sehr verschwende-rische Sonne viel mehr Licht aus, als zur bloßen Beleuchtung und Er-wärmung der Planeten nöthig ist, so daß man versucht wird, zu glau-ben, daß diese Erleuchtung wenigstens nicht der einzige Zweck diesesLichtes seyn kann, ebenso wie die Erleuchtung der Erde zur Nachtzeitgewiß nicht der Zweck des Mondes ist, was wir an einem andern Ortegezeigt haben. Auf der Peripherie der Erdbahn würden über 70000 Er-den, jede der unseren an Größe gleich, Raum haben, und alle von derSonne gleich stark erleuchtet und erwärmt werden können, während dieseWohlthat jetzt nur dieser einzigen Erde zu gut kömmt. — Allein selbstbei dieser anscheinenden Verschwendung, die ohne Zweifel nur in unsererUnkenntniß des Gegenstandes gegründet ist, wird es der Natur nicht anWegen fehlen, auf welchen sie diesen Verlust des Lichtes, wenn es über-haupt noch ein Verlust ist, wieder ersetzen kann: das Zurückwerfen deserhaltenen Sonnenlichts von den Planeten, das eigene Licht der unzäh-ligen Fixsterne, die Annäherung der Kometen, von denen viele nur ausLichtstvff gewebt zu seyn scheinen u. dgl., so daß unter allen diesen Kör-pern des Himmels nicht sowohl der Gewinn und Verlust des Einzelnen,als vielmehr nur der gegenseitige Austausch des Lichtes in Betrachtungkommen soll. Endlich, wenn das Licht nickt in der Emanation eineseigentlichen Körpers, sondern nur in der Vibration eines die Sonne um-gebenden Mediums bestehen sollte, so fällt ohnedieß jede Abnahme derSonne durch Ausscheidung ihrer Lichtmasse von selbst weg.

H. 30. (Beschreibung der Sonnenflecken.) Nach diesen allgemeinenBetrachtungen wollen wir nun zu einer nähern Beschreibung der bereitsoben erwähnten Sonnenflecken übergehen.

Wenn man die Oberfläche der Sonne durch ein Fernrohr betrachtet,das zur Schützung des Auges mit einem gefärbten Planglase versehenist, so bemerkt man auf ihr, wie bereits gesagt, häufig größere oderkleinere, meistens sehr unregelmäßige dnnkelschwarze Flecken, mit einemaschfarbenen, gewöhnlich überall gleich breiten Rande eingefaßt. DieseFlecken verändern meistens ihre Gestalt und selbst zuweilen ihren Ortauf der Sonne. Wenn man sie von Stunde zn Stunde verfolgt, sosieht man sie an Umfang wachsen oder kleiner werden, verschiedene Ge-stalten annehmen, aus einander brechen und gleichsam zerreißen undwieder zusammen fließen und oft selbst gänzlich verschwinden. In demletzten Falle, wenn der Flecken sich unserem Auge völlig entzieht, wirdimmer zuerst der schwarze Centralpunkt allmählig kleiner und verschwin-det lange vor dem aschgrauen Rande. Der ganze Anblick dieser Fleckenscheint auf einen flüssigen Znstand der Oberfläche der Sonne und aufsehr heftige Bewegungen zu deuten, die auf ihr vorgehen.

Diejenigen unter ihnen, welche längere Zeit ohne beträchtliche Ver--