Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

H. 195. Refraktion, Präcefsion und Nutation. ZZ7

der übrigen Sternbilder des Thierkreises würden eine auffallende Ver-bindung mit der Agricultnr und dem Klima von Aegypten zeigen. DieDifferenz der Länge von 210 Graden aber, welche diese Annahme vor-aussetzt, wird von der jährlichen Präcefsion erst in 15050 Jahren be-schrieben, und dadurch würde die Erfindung der Namen des Thierkreisesüber dreizehntausend Jahre vor dem Anfang unserer Zeitrechnung zurück-fallen. Allein mit dieser Hypothese scheint unsere ganze Menschenge-schichte in direktem Widersprüche zu seyn, daher jene, die weder auf einerbestimmten Nachricht, noch auf einer Beobachtung, sondern nur auf einerbloßen Meinung beruht, nicht zugelassen werden kann.

Die Ruinen der alten Stadt Tentyris (Denderah) in Oberägyptenzeichnen sich durch einen großen Tempel aus, den uns die Zeit ohne be-trächtliche Zerstörungen erhalten hat. An dem Plafond des Porticusdieses Tempels sieht man die zwölf Figuren des Thierkreises in der Ord-nung, in welcher sie von der Sonne durchlaufen werden. Dieser Thier-kreis ist in den letzten Jahren nach Paris gebracht und daselbst auf-gestellt worden, wo er bald der Gegenstand der allgemeinen Aufmerk-samkeit wurde. An der Spitze der Reihe dieser Figuren erblickt mandas Sternbild des Löwen, der zuerst aus dem Thore des Tempels zutreten scheint. Man wollte daraus den Schluß ziehen, daß zur Zeit derErrichtung dieses Thierkreises die Sonne im Anfange des Jahres indiesem Zeichen des Löwen gewesen sey. Das Ruraljahr der alten Aegyp-tier begann aber mit dem Sommersolstitium, zu welcher Zeit der Nilaustritt. Nimmt man also, aus Mangel an näheren Nachrichten, dieMitte des Löwen für denjenigen Punkt an, in dem die Sonne im An-fange jenes Jahres war, so war das Solstitium zu jeuer Zeit volle60 Grade weiter östlich, als es jetzt ist, und dieß gibt einen Zeitraum

von . oder von 4300 Jahren, so daß also jener Tempel gegen das

0.01305 . , <

Jahr 2740 vor Chr. G. erbaut worden wäre. Würde man aber denAnfang dieses Sternbildes für den entscheidenden Punkt nehmen, sohätte man nur 40 Grade für die Präcession, und die Erbauung des Tem-pels würde in das Jahr 1100 vor Chr. oder in die Zeit von Davidfallen, in welcher auch der Tempel von Jerusalem erbaut worden ist.Bivt, der sich mit diesem Gegenstande sorgfältig beschäftigte, wollte mitgroßer Sicherheit gefunden haben, daß die Errichtung dieses Tempels mdas Jahr 700 v. Chr., also kurz nach der Erbauung Roms fallt.Fourier setzt dafür die Zeit der Errichtung des Tempels zu Latopolis,des ältesten ägyptischen Gebäudes dieser Art, welches uns die Alles zer-störende Zeit erhalten hat, auf das Jahr 25W vor Chr. und Du puls(in s. ori^iite lies oulte«. Vol. 3e.) sogar auf das Jahr 15666 vor un-serer Zeitrechnung. Da ihm aber später dieses Alter des Tempels selbstwieder unglaublich erschien, so fand er für gut, anzunehmen, da>; durch

diesen Thierkreis nicht sowohl die Orte der Sonne zur 3^ , ^als vielmehr die ihr gegenüberstehenden Punkte dargestellt werden zoll-ten, wodurch er jenes Alter um eine volle halbe Revolution der Aequ,-noctien oder um 13000 Jahre verminderte und die Entstehung des ^.em-pels wieder auf das Jahr 2000 v. Chr. zurückbrachte. Lhampollivnendlich und Letronne, welche diesen Thierkrels auf ganz andere undmehr kritische Weise untersuchten, kamen, besonders durch die griechischenJnscriptionen, die sie auf jenen Tempeln gefunden Hatten, zu dem Re-sultat, daß diese religiösen Gebäude erst unter der Regierung Trajansund seiner nächsten Nachfolger erbaut worden seyn sollen. Auf ähnliche