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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
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Iiefraction, Präcession und Nutation.

§. iss

Bemerken wir noch, daß durch die Wirkungen der Präcesston undMutation die Rectascension sowohl als auch die Declination der Fix-sterne (Einl. §. 22), je nach der Lage dieser Sterne gegen die Pole,mannigfaltig geändert wird. Die Präcesston der Declination kann beimanchen Sternen bis 20 Secunden gehen, um welche sie sich jährlich vondem Aeguator entfernen oder sich ihm nähern. Die jährliche Präcesstonin Rectascension aber ist, besonders für die den Polen näheren Sterne,oft viel größer, für den Polarstern z. B. ist dieselbe 194 Secunden jähr-lich, also in einem Jahrhundert schon nahe S'/z Grad, obschon dieserund alle anderen Fixsterne im Allgemeinen immer dieselbe Stelle desöimmels einnimmt. Man steht daraus, daß es nicht genug ist, dieRectascension und Declination eines Sterns für irgend eine Zeit, durchBeobachtungen, genau zu bestimmen, sondern daß man auch noch dieVeränderungen kennen muß, welche die Lage dieser Sterne durch Prä-cesston, durch Nutation und durch die Aberration (Kap. VI.) erfährt, umdie Rectascension und Declination derselben auch für jede andere Zeit ange-ben zu können. Die Astronomen nennen dieß die scheinbare Position derFixsterne, während jene die mittlere genannt wird, die statt habenwürde, wenn die Präcession, Nutation und Aberration nicht existirte.

H. 195. (Anwendung der Präcession auf chronologische Untersuchungen.) Wirhaben bereits erwähnt, daß ältere Nachrichten von dem Zustande des Him-mels uns über die Zeit, welcher diese Nachrichten angehören, belehren kön-nen. Es wird nicht unangenehm seyn, einige Beispiele davon anzuführen.

Ptolemäus erzählt uns in seinem Almagest, daß Eudox, ein Zeit-genosse Plato's, einen der größeren Fixsterne sehr nahe bei dem Poledes Aequators gesehen habe. Da Plato nahe 350 Jahre vor Chr. lebte,so kann dieß, wie aus dem Vorhergehenden folgt, nicht unser gegenwär-tiger Polarstern oder « im kleinen Bären gewesen seyn, der damalsnoch sehr weit von dem Pole entfernt war. Betrachtet man den obenerwähnten, von dem Pole des Aequators vermöge der Präcession be-schriebenen Kreis etwas genauer, so findet man nur einen einzigen Fix-stern in jener Gegend des Himmels, der von bedeutender Größe ist undin der Vorzeit nahe genug bei dem Pole gewesen seyn kann. Es istdieß II im Drachen, dessen Rectascension im Anfange des gegenwärtigenJahrhunderts 186".2 und dessen Declination 70°.9 ist. Daraus findetman die Länge desselben für unsere Zeit gleich 133°.43. Wenn nundieser Stern in der That zu jener Zeit sehr nahe bei dem Pole desAequators war, so muß seine Länge nahe gleich 90° gewesen seyn. DieDifferenz dieser Länge von 43.43 Graden wird aber von der Präcession,die jährlich nur 0°.013947 beträgt, in 3110 Jahren zurückgelegt, so daßalso dieser Stern um das Jahr 1310 vor Chr. dem Pole am nächstengewesen seyn muß. Da aber diese Epoche gegen 1000 Jahre vor Plato'sZeit fällt, so hat Eudox in jener Nachricht nicht denjenigen Zustand desHimmels beschrieben, wie er zu seiner Zeit war und für welche jenerStern schon weit von dem Pole entfernt seyn mußte, sondern er hat unsvielleicht nur eine nahe tausend Jahre ältere Sage erzählt, die er vonden Aegyptiern oder Chaldäern erhalten haben mag.

Laplace glaubt, daß die Bezeichnung und Benennung der Stern-bilder des Thierkreifes zu einer Zeit erfunden worden sey, wo der Stein-bock, den man immer nur auf den höchsten Spitzen der Felsen erblickte,auch den höchsten Punkt der Ekliptik über dem Aequator eingenommenhabe. In unseren Tagen ist er aber schon nahe 30 Grade über demtiefsten Punkt der Ekliptik vorgerückt. Dann würde die Wage sehrzweckmäßig in die Frühlingsnachtgleiche gekommen seyn, und die meisten