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Refractien, Präcesfion und Nulation.
§. 189.
aufhört, wenn die Sonne 18 Grade unter dem Horizonte steht. Fürdie Mitte Deutschlands hat sie ihre kürzeste Dauer von nahe zwei Stun-den im Anfange des März und gegen die Mitte des Octobers. Vonder Mitte des Mai aber bis zu dem Ende des Julius dauert für unsdiese Dämmerung die ganze Nacht durch, weil die Sonne während die-ser Zeit selbst um Mitternacht nicht die Ti fe von 18 Graden unter demHorizonte erreicht. In höheren Breiten ist die Dauer der Dämmerungviel größer. Unter den Polen selbst werden der halbjährigen Nacht, imAnsauge sowohl, als am Ende derselben, volle 50 Tage durch die Däm-merung entzogen, wodurch die eigentliche lange halbjährige Nacht auf3Monate herabgebracht wird. Ueberhaupt aber kann man annehmen,daß wegen diesem Dämmerungsbogen von 18 Graden nicht mehr bloß180 Grade von dem Umfange" der Erde, sondern noch 30 Grade mehr,also 2t6 Grade dieses Umfanges von dem directen und restectirten Son-nenlichte beleuchtet werden.
Von dieser astronomischen Dämmerung ist die sogenannte bürgerlicheverschieden, die dann anfängt und endet, wenn man in mäßig frei lie-genden Wohnungen das Licht Abends anzuzünden oder Morgens auszu-löschen pfiegt. Man nimmt, ohne viel Genauigkeit, für diese Zeit dieTiefe der Sonne unter dem Horizonte zu 6'/^ Grad an. Diese bürger-liche Dämmerung ist also viel kürzer, als jene, und sie dauert für dasmittlere Deutschland im März und October, wo sie am kürzesten ist,nur 40 Minuten, im höchsten Sommer aber oder in der Mitte desJunius nahe eine Stunde.
H. 189. (Allgemeine Reflexion der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre.)Wenn wir einen Sonnenstrahl durch die enge Oeffnung eines Fensterla-dens in ein verschlossenes, finsteres Zimmer leiten, so sieht man densel-ben nicht bloß als einen lichten, goldenen Faden durch die ganze Längedes Zimmers gehen, sondern man bemerkt auch die um ihn liegendenGegenstände in einem matten Lichte schimmern, so daß durch dieseneinen Strahl das ganze Zimmer schwach beleuchtet erscheint, offenbarweil einzelne Theile des Lichtstrahls von der Lust, durch die er geht,zurückgeworfen und auf die benachbarten Gegenstände gebracht werden,von welchen sie wieder in unser Auge reflectiren. Dieselbe Erscheinunghat noch in einem viel höheren Grade für alle Theile der Erde Statt,die eben von der über ihrem Horizonte stehenden Sonne beschienen wer-den. Die Sonne bescheint diese Gegenstände auf der Erde, so wie die Atmo-sphäre und die in ihr enthaltenen Wolken und Dünste über der Erde,und diese zerstreuen das von der Sonne erhaltene Licht, wie zahlloseSpiegel, nach allen Seiten, so daß gleichsam von jedem sichtbaren Punkteauf und über der Erde zu jedem ander» sichtbaren Punkte die Strahlendes Lichtes sich nach allen Richtungen durchkreuzen. Das allgemein überuns verbreitete Tageslicht, dessen wir uns während der Gegenwart derSonne erfreuen, ist daher ein Phänomen, das im Grunde ans derselbenQuelle, wie die eben betrachtete Morgen- und Abend-Dämme"ung, ent-steht. Wäre die Erde von keiner Atmosphäre umgeben, oder hätten dieElemente der Atmosphäre und der übrigen Körper nicht die Eigenschaft,das Licht nach allen Seiten wieder zurück zu werfen, so würden wir aufder Erde nur diejenigen Gegenstände sehen, welche direct von der Sonnebeschienen werden, und alle von den Sonnenstrahlen nicht unmittelbargetroffenen Körper würden in dem finstern Schatten der Nacht zu liegenscheinen; jede kleine Wolke, die zwischen der Sonne und uns vorüber-zieht, würde uns sofort in die tiefste Dunkelheit der Mitternacht ver-setzen; die Fixsterne würden, ganz nahe an der Sonne, auch am Tage,
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