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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
229
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§. l88. Nefraction, Präcesston und Nutation.

durch die Luft gebt und dabei die cvncenirischen Schichten derselben ineiner schiefen Richtung durchschneidet, von diesen Schichten gebrochen wirdund daher zwischen beiden Punkten eine krumme Linie beschreibt. Dadasselbe nicht bloß von den Gegenständen des Himmels, die außer derAtmosphäre sich befinden, sondern auch von allen Körpern, die in dieserAtmosphäre selbst liegen, der Fall ist, so sehen wir auch alle irdischenGegenstände, die Spitzen der Berge, Thürme u. f. nicht an der Stelle,an welcher sie unserem Auge in der That erscheinen wurden, wenn dieErde nicht von Luft umgeben wäre. Den Unterschied dieser beiden Höhennennt man die terrestrische Strahlenbrechung. Sie ist in denmeisten Fällen, besonders wenn der Gegenstand näher bei dem Beobach-ter steht, viel geringer als die eigentliche astronomische Strahlenbrechung,aber doch auch öfter beträchtlich genug, um bei genaueren Beobachtun-gen auf sie Rücksicht zu nehmen. Bei jener Refraction geht nämlich derLichtstrahl von dem terrestrischen Objecte nur durch einen, meistens sehrgeringen Theil der Atmosphäre, während er bei der astronomischen Re-fraction den ganzen Weg von einer Gränze der Atmosphäre bis zur an-deren zurücklegt. Schon daraus folgt, daß die terrestrische Refractionim Allgemeinen desto größer ist, je weiter das Object von dem Beobach-ter absteht. Für nicht gar zu große Distanzen nimmt man, den Beob-achtungen gemäß, an, daß die terrestrische Refraction, in Secundenausgedrückt, gleich ist der Zahl 0.005 multiplicirt in die Anzahl P. Toisen,die zwischen dem Beobachter und dem terrestrischen Objecte enthalten ist.So ist für eine Distanz des Objects von 1000 Toisen oder 6000 Fußdie terrestrische Refraction gleich 5 Secunden.

§. 188. (Dämmerung.) Wir haben oben (§. 165) gesehen, daßdurch die Wirkung der Atmosphäre auf die Lichtstrahlen die Sonne nocheinige Zeit über unserem Horizonte erscheint, wenn sie in der That schonunter demselben ist, wodurch die Dauer des Tages, vorzüglich in denhöheren Breiten, bedeutend verlängert wird. Aber selbst dann, wenndie Sonne schon so tief steht, daß die Refraction sie nicht mehr bis zudem Horizonte erheben kann, selbst dann verdanken wir derselben At-mosphäre noch wenigstens einen Theil des Sonnenlichtes, das die ersteund letzte Gränze unserer Nächte erleuchtet, und unter der Benennungder Dämmerung allgemein bekannt ist. Diese Beleuchtung unsererErde kömmt zwar nicht mehr von dem directen, aber wohl von demreflectirten Lichte der Sonne, nämlich von denjenigen Sonnenstrah-len, welche, von den höheren Theilen der Atmosphäre, von den Dünstenund Wolken, die noch nach dem Untergange oder schon vor dem Auf-gange der Sonne von ihr beschienen werden, wie von einem Spiegelauf die Erde geworfen, den Anfang und das Ende unserer Nächte er-leuchten. ..

Wenn die Sonne für einen Ort der Erde eben untergegangen «st,so sieht dieser Ort zwar die Sonne selbst nicht mehr, aber er geht nocheinen großen Theil des westlichen Himmels, den die Sonnenstrahlen nochbeleuchten und von dem diese Strahlen nach allen Secken zuruckgeivor-fen werden. Je mehr sich aber dieser Ort, durch die tägltme^oemegungder Erde, nach Osten dreht, oder je weiter er sich von der (sonne ent-fernt, ein desto größerer Theil jener beleuchteten Stelle des westlichenHimmels verschwindet für ihn, weil er von der undurchsichtigen Erdein seinen unteren Theilen immer mehr und mehr bedeckt wird, bis end-lich auch der höchste und schwächste Theil dieser Stelle sich dem Augeentzieht und jetzt erst die vollkommene Nacht über demselben embrlcht.

Man nimmt gewöhnlich an, daß diese Dämmerung anfängt und