Planetensysteme. §. 104.
an daß er den geschwindesten für den nächsten, und den langsamstenfür' den entferntesten von der Erde hielt. So kam der Mond, der in 27Tagen, und Saturn, der erst in 29 Jahren um die Erde geht, an diebeiden äußersten Gränzen, und die Sonne, Mars und Jupiter wurdennach dieser Regel leicht zwischen jene eingeschaltet. Aber wo sollten nunMerkur und Venus hingesetzt werden, sie, die bald geschwinder, baldwieder langsamer, als die Sonne gehen? Sie mit Ptolemäus ohne wei-teres zwischen die Erde und die Sonne zu setzen, geschieht offenbar ohnehinreichende Ursache, und nur auf Gerathewohl. Ferner ändern sich diescheinbaren Durchmesser der meisten Planeten, also auch ihre Entfernun-gen von der Erde, so sehr, daß man die letzten unmöglich für den Mit-telpunkt der Kreise, in welchen sich die Planeten bewegen, ansehen kann.So ist der scheinbare Durchmesser der Venus zuweilen sieben und derdes Mars neunmal größer, als zu anderen Zeiten. Wenn man aberfür dieselben Zeiten ihre Entfernungen von der Sonne berechnet, so fin-det man, daß diese letzte sehr nahe immer dieselbe bleibt, daß also auchdie Sonne, und nicht die Erde, der Mittelpunkt ihrer Bewegungen seynmuß. Wie unwahrscheinlich ist es ferner, daß diese kleine Erde so großeund so entfernte Himmelskörper, wie z. B. Jupiter oder selbst die Sonneist, in Kreisen um sich führen soll, und wie viel unwahrscheinlicher istes noch, daß dieselbe Erde die äußerste oder eilfte Sphäre, und durchdiese die Sphären aller anderen Planeten, und selbst die der Fixsterne,in einer so sonderbaren Bewegung, und alle ohne Ausnahme genau inderselben Zeit, täglich um ihren Mittelpunkt bewegen soll. Ptolemäus scheintdiesen Ungereimtheiten dadurch begegnen zu wollen, daß er jene Sphä-ren als feste Körper, gleichsam als krystallene Kugelschaalen, annahm,welche den in ihren Oeffnungen angebrachten Planeten mit sich selbst umdie Erde wälzen. Aber was sollte man, wenn man auch diesen wunder-lichen Einfall annehmen wollte, mit den unzähligen Kometen anfangen,die oft aus viel größeren Entfernungen, als die äußersten Planeten,sich zur Erde oder zur Sonne herablassen, und sich dann, auf ihrem Rück-wege, wieder in die ungemessenen Räume des Himmels verlieren ? Müß-ten sie diese krystallene Sphären nicht schon längst in allen ihren Theilendurchlöchert und zertrümmert haben?
H. 194. (Aegyptisches Planetensystem.) Diese und mehrere andereGründe zeigen die Unzulässigkeit dieses Systems zu deutlich, als daßman ihm noch länger anhängen könnte. Auch fühlten dieß schon dieälteren Astronomen, und besonders fiel ihnen die bereits oben angeführteBemerkung auf, daß man Merkur und Venus nie der Sonne gegenübersieht, wie man sie doch, bei einer solchen Anordnung derselben , sehenmüßte. Sie suchten daher auch die angegebene Ordnung der Planetendahin abzuändern, daß sie den Mond, die Sonne, Mars, Jupiter undSaturn in immer größeren Kreisen, wie zuvor, um die in ihrem ge-meinschaftlichen Mittelpunkte ruhende Erde einhergehen ließen, die bei-den unteren Planeten aber in andern kleineren Kreisen, deren Mit-telpunkt aber die Sonne ist, um dieselbe bewegten. Auf diese Weiseentstand das sogenannte Aegyptische System, in welchem die Sonne derMittelpunkt der Bewegung für die zwei unteren Planeten, die Erdeaber für die Sonne sowohl, als auch für alle übrigen Planeten war.Dadurch wurde nun wohl die erwähnte Erscheinung, welche die zwei un-teren Planeten darbieten, gerettet, da sie fortan immer nur als Beglei-ter der Sonne in ihrer Nähe gesehen werden konnten, aber die anderenEinwürfe, welche wir gegen das ganze System aufgestellt haben, bleibennoch immer in ihrer ganzen Stärke, und vor Allem ist die Frage noch