§. 100. Planetensysteme. 1Z7
eine kleine Geschwindigkeit haben. Da nun der Mittelpunkt der Sonneebenfalls in der Ekliptik liegt, wie jener der Erde, so wird auch ein Be-obachter in der Sonne den Planeten in demselben Augenblicke, wo wirihn durch die Ebene der Ekliptik gehen sehen, in derselben Ebene er-blicken, daher auch für jenen die Intervalle dieser Durchgangszeiten ein-ander gleich zeyn werden. Diese auffallende Regelmäßigkeit der Bewe-gung der Planeten, wenn sie von der Sonne aus in dem Punkte, wosie durch die Ekliptik gehen, betrachtet werden, muß auf die Vermuthungführen, daß vielleicht auch noch mehrere andere der oben angeführtenAnomalien verschwinden würden, wenn wir die Planeten in allenihren Punkten von der Sonne aus beobachten«könnten; daß also wohl dieSonne, und nicht die Erde, die eigentliche Stelle seyn möge, aus wel-cher wir dieses Schauspiel betrachten sollten, um es in seiner ganzenSchönheit und Einfachheit zu übersehen, und daß endlich alle jene Son-derbarkeiten nur scheinbar seyn, und ihren Grund wohl nur darin habenkönnen, daß wir sie von einem Standpunkte, der sich selbst um dieSonne bewegt, also von einem in jedem Augenblicke veränderten Stand-punkte betrachten.
So richtig dieser Schluß auch seyn mag, und so sicher er (wie unsAlles, was wir bisher über die Bewegung der Erde bereits kennen ge-lernt haben, vermuthen läßt), zu einer glücklichen Auflösung des großenProblemes zu führen scheint — unsern Vorgängern war dieser Weg ver-schlossen, und die Aufgabe mußte, so viel Scharfsinn sie auch daraufverwendeten, für sie unauflösbar bleiben.
H. IW. (Sidensche Umlanfszeiten der Planeten.) Die Bemerkung, daßdie Zwischenzeiten der Zurückkunft der Planeten zur Ekliptik, von demMittelpunkte der Sonne gesehen, immer dieselben, oder daß sie kon-stant sind, ließ uns vermuthen, daß wohl diese Sonne selbst der wahreMittelpunkt der Bewegung jener Planeten seyn könne. Gehen wir nocheinen Schritt weiter, und nehmen wir an, daß, aus diesem Mittelpunkteder Sonne gesehen, auch alle übrigen so sonderbaren und verwickeltenBewegungen eben so einfach erscheinen mögen, wie uns die Bewegungder Sonne und des Mondes erscheint. Diese beiden Gestirne gehen näm-lich für uns in einem größten Kreise des Himmels um den Mittelpunktder Erde, und dieß aus der Ursache, weil diejenigen Ebenen, in welchenihre kreisförmigen Bahnen liegen, selbst durch den Mittelpunkt der Erdegehen. Sollen also die Planeten um die Sonne eben so einfache größteKreise am Himmel beschreiben, so müssen ihre Bahnen ebenfalls in Ebe-nen liegen, die durch den Mittelpunkt der Sonne gehen. Diese Ebenenkönnen aber den Ebenen der Ekliptik nicht parallel seyn, weil wir sonst,selbst von der Erde aus, die immer in der Ekliptik bleibt, die Planetennie über oder unter derselben sehen könnten. Diese durch den Mittel-punkt der Sonne gehenden Ebenen der Planetenbahnen, werden al>o tueEbene der Ekliptik irgendwo in einer geraden Linie schneiden, und dieseLinie wird selbst wieder durch den Mittelpunkt der Sonne gehen. Wirwollen diesen Durchschnitt beider Ebenen die Knotenlinie der Plane-tenbahn nennen. Verlängert man sie zu beiden Seiten, bis sie dieSphäre des Himmels in zwei Punkten trifft, so können diese zwei Punktedie Knoten der Planetenbahn heißen, und zwar der eine der aufstei-gende, von dem sich der Planet, wenn er in jene Durchjchnittsliniekömmt, über die Ekliptik oder gen Norden erhebt, während der andereentgegengesetzte, von dem er unter die Ekliptik oder gegen Süden geht,der nie der steig ende Knoten heißt. Man pflegt diesen durch undjenen durch A zu bezeichueu.