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128
Jahreszeiten.
§. «s.
Tagen wieder von dem Zenith. In der Mitte des Junius oder desDecember aber, wo die Sonne den Bewohnern der Wendekreise inihrem Scheitel erscheint, ändert sie ihre Declination sehr langsam (ineinem Tage nur einige Secunden), daher sie für diese Gegenden durchmehrere Wochen immer in der Nähe des Zeniths bleibt. Auch ist inder That die Temperatur dieser Gegenden beträchtlich hoher, als die desAeguators. Ueberhaupt aber wird die Wärme der heißen Zone durchdie beinahe immer gleich langen Nächte wieder abgekühlt, und dieß istdie Ursache, warum manche Gegenden der höheren gemäßigten Zonenzur Zeit ihres hohen Sommers eine beträchtlich höhere Temperatur haben,als selbst die der heißen Zone, weil sich dort durch die längeren Tage und diedauernde Gegenwart der Sonne über dem Horizonte die Wärme bedeu-tend erhöht. So steigt in der nördlichen Breite von 60 Graden imJulius die Hitze oft bis über 30 Grade R. im Schatten; im siebenzigstenBreitengrade macht sie öfter das Pech der Schiffe flüssig und selbst imachtzigsten Grade vermag sie noch den tief gefrorenen Boden aufzuthauenund die ihr anvertrauten Pflanzen durch eine unseren Treibhäusern ähn-liche, schnelle Vegetation zur Reife zu bringen. Aber in noch höherenBreiten nimmt die erwärmende Kraft der Natur so sehr ab, daß siesich beinahe nur mehr auf die Bildung des Eises beschränkt, die dortmit jedem Jahre zuzunehmen scheint. Allein weder die Richtung derSonnenstrahlen, noch auch das Verweilen der Sonne in der 'Nähe desZeniths kann, den Beobachtungen zu Folge, als die einzige Ursache derTemperatur einer Gegend angenommen werden, da oft Länder, wieNorddeutschland und Kamtschatka, in denselben Breitengraden liegen,und doch in ihrer mittleren Wärme ungemein verschieden sind. OhneZweifel haben hier die zum Theil bereits oben erwähnten localen Ursacheneinen sehr thätigen Einfluß.
Schon Halley, Newton's Zeitgenosse, hat es versucht, die Erwärmungder verschiedenen Gegenden der Erde durch die Sonne darzustellen, wenndiese Erwärmung bloß als eine Function der verschiedenen Mittagshöhender Sonne und ihres VerweilenS über dem Horizonte betrachtet wird.Indem er auf diese Weise die Temperatur der Erde unter dem Aequatorzur Zeit der Aequinoctien als 100 anahm, fand er die Temperaturenfür andere Orte.
Für diePolhöhe
Zur Zeit der
Nachtgleichen
des längsten Tages
des kürzesten Tages
0°102030405060708090
10098948676645034170
9110110811311511511311712312
9l79665034195000