§. «7. Jahreszeiten. Z25
Wir haben in dem Vorhergehenden nur die vier vorzüglichstenPunkte der Erdbahn näher betrachtet, wo der Winkel 8mp entwedergleich 90 oder um 23.5 großer oder kleiner als 9V ist, wo er also seinenmittlern, seinen größten und seinen kleinsten Werth erreicht. Es istaber klar, daß die Erde in den Zwischenzeiten von jenen vier Haupt-punkten allmählig alle Jagen erreicht, die zwischen den erwähntenHauptstellungen liegen, und daß sonach jeder Ort der Erde durch alleallmählige Abstufungen seiner Jahreszeiten durchgeht.
§. 87. (Heiße, kalte und gemäßigte Zone der Erde.) Durch die Wende-und Polarkreije wird die Oberfläche der Erde sehr angemessen in Theilegeschieden, die sich vorzüglich durch die Temperatur, welche in ihnen durchdie Wirkung der Sonnenstrahlen hervorgebracht wird, wesentlich voneinander unterscheiden.
Der Theil zu beiden Seiten des Aequators, der sich bis zu den beidenWendekreisen erstreckt, heißt die heiße Zone; zwischen den Wende-uud Polarkreisen liegen die beiden gemäßigten Zonen; und diebeiden übrigen Räume, die von den zwei Polarkreisen begränzt werdenund den Nord- und Südpol in ihrer Mitte haben, heißen die kaltenZonen. Die Breite der beißen Zone beträgt 47 Grade und ihre Ober-fläche hat nahe 3.7 Millionen Quadratmeilen. Jede gemäßigte Zonehat zur Breite 43 Grade und beide zusammen haben eine Oberflächevon 4.8 Millionen Q.Meilen. Die Gränzen der kalten Zonen endlichsind von ihren Polen 23.5 Grade entfernt und die Oberfläche beiderbetragen 0.8 Millionen Q.Meilen. Da die Oberfläche der ganzen Erdenahe 9280000 Q.Meilen beträgt, so nimmt die heiße Zone 0.4, diebeiden gemäßigten 0.5 und die beiden kalten 0.1 der Fläche der Erdeein. Die Bewohner der beißen Zone sehen die Sonne am Mittage desTages, wo die Declination der Sonne gleich der geographischen Breiteihres Parallelkreises ist, in ibrem Zenithe, und da sie auch die übrigenTage des Jahres sich am Mittage nie beträchtlich von dem Zenitheentfernt, so fallen die Strahlen derselben nahe senkrecht auf die Flächedieser Zone, daher die höhere Temperatur und die Benennung derselben.In dieser Zone sind die Tageslängen nie sehr von denen der Nächteverschieden, da selbst an den Gränzen dieser Zone, unter den Wende-kreisen, der längste Tag, so wie die längste Nacht nur 13 Stunden28 Minuten beträgt, während beide unter dem Aequator selbst durchdas ganze Jahr einander immer gleich sind. Die Schatten aller senk-rechten Gegenstände fallen im Jahre zweimal, zu Mittag, unter sie, undaußer diesen beiden Epochen durch einen Theil des Jahres nach Nordenund durch den anderen Theil nach Süden, daher die Bewohner diesesErdgürtels zweimal im Jahre ganz schattenlos und die andere Zeithindurch zweischattig sind. Für sie liegen die beiden Pole in demHorizonte und die Parallelkreise stehen alle senkrecht über dem Horizonte,daher alle Gestirne ebenfalls in senkrechten Bogen auf und nieder gehenund im Laufe jedes Tages alle Theile des Himmels sich über dem Ho-rizonte erheben oder sichtbar sind.
In den beiden gemäßigten Zonen erreicht die Sonne selbst im Mit-tage nie das Zenith des Beobachters und bleibt von demselben um soweiter entfernt, je weiter der Beobachter selbst von dem Aequator absteht,und mit diesem Abstände wächst auch die Ungleichheit der Tage undNächte, bis endlich an den äußersten Gränzen dieser Zonen, unter denPolarkreisen, der längste Tag, so wie die längste Nacht volle 24 Stundenbeträgt. In diesen beiden Zonen sind die vier Jahreszeiten, die in demHeißen Erdgürtel bloß in einem durch eine periodische Regenzeit unter-