Aberration der Fixsterne. §. ?z.
dieser beiden Sterne würde nämlich, in Folge der jährlichen Bewegungder Erde, eine kleine Ellipse am Himmel zu beschreiben scheinen, die derDurchschnitt der Himmelsfläche mit einem schiefen elliptischen Kegel ist,der seinen Scheitel in dem Sterne und seine Basis in dem Umkreise derErdbalm hat. Diese Ellipse wird für den entfernteren der beiden Sterneviel kleiner, als für den anderen seyn. Mißt man daher mit einemsogenannten Positions-Mikrometer, zu verschiedenen Zeiten des Jahres,die Distanz der beiden Sterne sowohl, als auch die Lage, welche die sieverbindende gerade Linie mit der Ebene des Horizonts oder des Aequa-tors bildet, und bemerkt man in diesen beiden Größen periodische Aende-rungen, so wird man leicht sehen, ob diese Aenderungen mit der Theorieder Parallaxe übereinstimmen.
Diese Methode ist ganz unabhängig von all' den Fehlern, denenjede Beobachtung der Zenithdistanz oder der Rectascension unterworfenist, und sie empfiehlt sich vorzüglich dadurch, daß bie Refraction, diesesgroße Hinderniß aller genauen Beobachtungen, auf sie keinen weiterenEinfluß mehr hat. Aber sie setzt voraus, daß die Duplicität dieser Sternenur scheinbar ist, oder daß beide Sterne in sehr verschiedener Entfernungvon uns, und nur auf der gemeinschaftlichen Gesichtslinie derselben stehen,und daß sie überdieß keinen anderen Bewegungen unterworfen sind.Allein beide Voraussetzungen scheinen nur sehr selten oder vielleicht nieStatt zu finden. Wir werden fpäter sehen, daß die meisten dieser dop-pelten und vielfachen Sterne nicht bloß scheinbar, sondern in der Thatsehr nahe bei einander stehen, daß sie gleichsam isolirte Sternsystemeam Himmel bilden, und daß bei weitem die meisten derselben nicht nureiner relativen Bewegung um einander, sondern auch einer gemeinschaft-lichen, fortschreitenden Bewegung im Raume unterworfen sind. Dieß istohne Zweifel die Ursache, warum diese sinnreiche Methode, von der mansich Anfangs einen so glücklichen Erfolg versprach, noch keine Resultategeliefert hat, und warum wir überhaupt über die Parallaxe der Fixsternenoch so ganz im Dunkeln sind.
Kapitel VI.
Aberration der Firtterne.
H. 73. (Erste hierher gehörende Erscheinungen.) Wir haben bereitszu Ende des vorhergehenden Kapitels derjenigen Beobachtungen erwähnt,die James Bradley zur Auffindung der Parallaxe der Fixsterne angestellthatte. Er begann sie zu Ende des Jahrs 1725 in Verbindung mitSamuel Molineux, mit welchem er zu Kew, in der Grafschaft Essex,vorzüglich den Stern 7 im Kopfe des Drachen, der nahe durch das Zenithdieser Stadt geht, durch mehre Jahre mit großer Aufmerksamkeit verfolgte.