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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
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105
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§. 72. Parallaxen u. Entfernungen d. Gestirne von d. Erde. lyz

die von Flamstead angewendeten Zenithdiftanzen. Er verfolgte selbstdiesen Gegenstand durch achtzehn Jahre. Man muß es bedauern, daßer bei der Redaction dieser Beobachtungen durch den Tod überraschtwurde. Uebrigens fand er die Summe der Parallaxen der beiden SterneSirius und Wega zwischen 30 und 45 Secunden, also viel zu groß gegendie Resultate, welche neuere Beobachtungen dieser Sterne gegeben haben.Auch der berühmte Astronom Bradley, Flamstead's Nachfolger in Green-wich, verfolgte diesen Gegenstand durch viele Jahre mit großem Eifer,fand aber dadurch, statt der Parallaxe, die er suchte, zwei andere merk-würdige Bewegungen der Fixsterne, von denen wir später sprechen werden.Die Parallaxe selbst erklärte er, seinen Beobachtungen zu Folge, fürunmerklich.

In unseren Zeiten beschäftigten sich vorzüglich Piazzi und Calandrellimit der Beantwortung dieser Frage. Piazzi in Palermo wählte wiederdie Beobachtungen der Zenithdiftanzen. Er fand die Parallaxe der Ca-pella und mehrerer anderer Fixsterne der ersten Größe sehr nahe gleichNull, die des Sirius aber wollte er vier Secunden groß gefunden haben.Die Beobachtungen anderer Astronomen stimmen damit nicht überein.Auch ist der letzte Stern zu Untersuchungen dieser Art nicht geeignet,da er für alle Sternwarten Europa's in einer zu geringen Hohe durchden Meridian geht. Endlich scheint es, als ob die Veränderungen, welcheer zu verschiedenen Jahreszeiten in der Lage der Sterne gefunden hatte,ihren eigentlichen Grund in den Veränderungen des Gebäudes hatten,in welchem sein Instrument aufgestellt war, indem dieses, wie vielleichtjedes andere Gebäude, durch die theilweise Bescheinung der Sonne unddurch die verschiedene Temperatur der Jahreszeiten, periodischen Ver-änderungen seiner Lage unterworfen ist, deren Folgen er, ohne die Ur-sache derselben zu kennen, auf den Himmel übertrug.

Calandrelli in Rom beobachtete um das Jahr 1805 zu dieser Absichtbesonders den schönen Stern Wega in der Leier, der für seinen Parallel-kreis nahe durch das Zenith des Beobachters geht. Er wählte dazueinen Sector von neun Fuß im Halbmesser und seine mit vieler Umsichtangestellten nnd unter sich gut harmonirenden Beobachtungen gaben dieParallaxe dieses Sterns gleich 4.4 Secunden, woraus die Entfernungdesselben von uns gleich 46880 Erdweiten folgen würde.

Allein Bessel in Königsberg, der nach Calandrelli denselben Sternuntersuchte, fand aus Bradley's Beobachtungen der Rectascensionen,selbst die Summe der Parallaxen für Wega und Sirius gleich Null,für Atair im Adler und Procyon im kleinen Hund, erhielt er zur Summeder Parallaxen nur die sehr geringe Größe von 7» einer Secunde. Erwählte dazu sehr zweckmäßig solche Sternpaare, die nahe in demselbenParallelkreise liegen und in Rectascensivn nur von 180 Graden ver-schieden sind; für solche Sterne liegen die Jahreszeiten, wo ihre Parallaxeder Rectascensivn am kleinsten und am größten ist, nahe sechs Monatevon einander, und diese größten und kleinsten Werthe haben dann Statt,wenn die Sonne in Rectascensivn dem Stern nahe um sechs Stundenvoran geht oder ihm eben so viel folgt.

Der jüngere Herschel schlug endlich zu diesem Zwecke die Beobachtungder Doppelfterne, d. h. solcher Sterne vor, die von der Erde gesehen,sehr nahe an einander zu stehen scheinen. Unter der Voraussehung. daßdiese Nähe in der That nur scheinbar ist und bloß von der Stellungunserer Erde gegen diese Sterne abhängt, während die letzten selbstvielleicht sehr weit hinter einander stehen, würde eine Ortsveränderungder Erde auch die scheinbare Distanz jener Sterne ändern müssen. Jeder