69. Parallaxen u. Entfernungen d. Gestirne von d. Erde
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nun nahe in demselben Verhältnisse oder 24000mal vergrößert Iverden,sich unseren Beobachtungen nicht weiter entziehen werden. Wir wollen'diesen glücklichen Umstand, in welchen uns die Bewegung unserer Erdeversetzt, und durch welchen unser Gesichtskreis am Himmel so bedeutenderweitert werden soll, jogleich näher betrachten
Zuerst wird es zweckmäßig seyn, sich von der eigentlichen Großedie,er treuen Standlune von 41 Millionen Meilen einen uns mehrangemessenen sinnlichen Begrisl zu machen zu suchen. Sie ist nahe29000Vmal größer als die Entfernung Wiens von Paris. Sie verhältsich zu einer Meile, wie die Zeit von nahe zwei Jahren zu einer Secunde.Die schnellsten unserer englischen Rennpferde legen in einer Secunde50 Par. Fuß zurück. Ein solches Pferd würde, um den Durchmesser derErdbahn von 4! Millionen Meilen zurückzulegen, volle 504 Jahre brauchen.Die größte Geschwindigkeit eines leichrsegelnden Schiffs, die man bisherbemerkt bat, ist unter den günstigsten Umstanden von Wind und Wasserauf der See, gleich 20 Par. Fuß in einer Secunde oder nahe 100 Meilenin einem Tage. Ein solches Schiff würde daher auf jenem dem Durch-messer unserer Erdbahn gleichen Wege 1178 Jahre zubringen.
Dieser Weg darf also in der !^hat ungeheuer genannt werden. Undan den beiden Endpunkten einer solchen unübersehlichen, beinahe unbegreif-lichen Straße — welche Veränderungen wird da der gestirnte Himmel undalle die Gegenstände erleiden, die zu beiden Seiten dieser Straße in demgroßen Weltraume zerstreut sind? Sterne, die hier nahe beisammenstehen, weil sie so weit von uns entfernt sind, werden dort, wo wir ihnen4! Millionen Meilen näher gekommen sind, weit aus einander stehen,und umgekehrt: anfangs weit von einander entfernte Sterne werden ganznahe an einander rücken; solche Sterne, die uns hier groß erscheinen, werdendort kaum mehr gesehen werden, und dafür andere hell und groß erscheinen,die wir hier noch nicht sehen konnten; alle Sterne werden verändert, alleSternbilder werden in ihrer Gestalt verrückt, und der ganze Himmelwird ein anderer erscheinen.
Alles dieß läßt sich allerdings bei einer so gewaltigen Veränderungunseres Standpunkts mit der größten Wahrscheinlichkeit erwarten. Auchhaben die Astronomen seit Cvpernicus, d. h. seit ihnen diese Bewegungder Erde bekannt war, sich bemüht, diese wunderbaren Veränderungendes Himmels zu entdecken und durch ihre Beobachtungen über alleZweifel zu erheben. Und welche Veränderungen haben sie gefunden? —Gar Keine! Ihre besten Fernröhre, ihre vollkommensten Instrumente,die seit Jahrhunderten vereinigten Arbeiten der ausgezeichnetsten Beobachter— alles war umsonst; jene mit so vieler Sicherheit erwarteten Ver-änderungen epistiren nicht, und der uns umgebende unübersehbare Waldvon Sternen zeigt durchaus denselben Anblick, man mag ihn amAnfange oder am Ende dieses 41 Millionen Meilen langen Wegesbetrachten. Alle diese mit so viel Aufwand von Zeit und Mühe ange-stellten Beobachtungen der Astronomen glichen den Bemühungen einerMilbe, die den Gipfel eines entfernten Gebirges zuerst von dieser, unddann von der anderen Seite eines Hirsekorns betrachtet.
09. (Die Entfernung der Fixsterne ist ungemein groß.) Und waszoll man ans dem Mißlingen aller dieser Arbeiten schließen? Eins vonbeiden: entweder ist es nicht wahr, daß die Erde sich um die Sonuebewegt, und dann fallen jene nur geträumten Veränderungen desgestirnten Himmels von selbst weg; oder aber, die Distanz dieser Fixsternevon uns ist so ungeheuer, daß selbst jene Entfernung von 41 MillionenMeilen nur wie ein unmerklicher Punkt gegen jene Distanz verschwindet.