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Wir wissen aus Erfahrung, wie schwer es ist, uns selbst oder einen an-dern Körper um eine Axe zu drehen, ohne ihn zugleich aus ,einer Stellezu rücken, und man sieht leicht, dasi dieses eigentlich ganz unmöglich ist,wenn der Körper nicht auf irgend eine Weise an seiner Stelle festgehal-ten wird. Da aber die Erde, so viel wir wissen, durch keine äußereKraft an ihre Stelle im Welträume festgehalten wird, so ist schon diebloße Existenz ihrer Rotation zugleich ein Beweis für die progressiveBewegung derselben.
dlebrigens ist diese jährliche Bewegung der Erde viel schneller, alsdie tägliche. Vermöge der letztern beschreibt jeder Punkt der Oberflächedes Aequators, während seiner Rotation um die Are, in einer Secundenur 0.0626 einer d. Meile, oder 1430 Par. Fuß, während jeder Punktder Erde, in ihrer jährlichen Bewegung um die Sonne, während ei-ner Secunde nahe 4 d. Meilen zurücklegt, so daß also die letzte Geschwin-digkeit gegen 64mal größer ist, als die erste. Während wir also diewenigen Zeilen dieses letzten Absatzes gelesen haben, sind wir schon über20 Meilen im Raume fortgerückt. Könnten wir in irgend einem Fahr-zeuge mit derselben Geschwindigkeit, welche die Erde in ihrer Bahn hat,auf der Oberfläche der Erde uns bewegen, so würden wir eine sogenannteReise um die Welt, oder den Umkreis der Erde von 5400 Meilen, schonin 22^ Minuten zurücklegen, wozu Capital? Cook 3 Jahre und 14 Tagebrauchte. Ohne die Umwege und Abhaltungen aller 'Art, denen einesolche Reise gewöhnlich ausgesetzt ist, würde ein Schiff, das in jeder Se-cunde 10 Fuß zurücklegt, und dabei unablässig fvrtsegelt, was vielleichtum die Hälfte zu viel ist, jene Reise um die Erde doch erst in 142 Ta-gen 18 Stunden, also in mehr als 4'/.^ Monaten, vollenden.
Obschon wir also, nach allem Vorhergehenden, die Voraussetzungder jährlichen Bewegung der Erde um die Sonne als höchst wahrschein-lich, wenn nicht als unzweifelhaft, annehmen dürfen, so müssen wir dochauch gestehen, daß die Gründe, welche wir bisher für die Existenz dieserBewegung vorgetragen haben, so großen Gewichtes sie auch an sich seyn m ögen,doch sämmtlich nur äußere oder aus der Analogie mit andern Welt-körpern entlehnte Gründe sind, und daß es daher noch immer wünschens-werth bleibt, auch innere, von der Erde selbst genommene, Beweise fürdiese Bewegung derselben aufzufinden. So hatten wir oben, für dietägliche Rotation der Erde, sehr deutliche Spuren an ihr selbst gefun-den , nämlich an ihrer Abplattung bei den Polen, an der östlichen Ab-weichung frei fallender Körper, an der Aenderung der Pendellänge u. s, w.Sollten sich nun nicht auch von der jährlichen Bewegung der Erde ähn-liche Zeugnisse auf ihr selbst finden lassen, besonders da, wie wir soeben gesehen haben, diese Bewegung so viel schneller ist, als jene?
Dieser Wunsch wird allerdings schwer zu befriedigen seyn, da beideBewegungen, in Beziehung auf diesen unsern Zweck, so sehr von ein-ander verschieden sind. Denn bei der täglichen Rotation bewegen sichverschiedene Punkte der Erdfläche ebenfalls mit sehr verschiedenen Ge-schwindigkeiten, der Aequator am schnellsten, die kleineren Parallelkreiseimmer langsamer, und die beiden Pole endlich gar nicht. Eben dieseVerschiedenheiten boten uns aber zugleich die Merkmale dar, an welchenwir jene Rotation selbst erkennen konnten. Bei der jährlichen Bewe-gung aber verhält sich die Sache nicht mehr so, da hier alle, selbst dieinneren Theile der Erde, mit nahe gleich er Ge schwilldigkeit und in der-selben Richtung fortgeführt werden, daher denn auch diese Bewegungdurch eine bloße Vergleichung der einzelnen Theile der Erde nicht wetzter erkannt werden kann.
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