Jährliche Bewegung der Erde. §. 55-vs.
Jahreszeiten diejenigen Punkte der Ekliptik einnehme, die der Sonne,in der vorhergehenden Annahme, gegenüber stehen, ,o wird d,e Erde
seyn
in dem Punkte im Anfange des Frühlings, am 21. März
,, .. 6 „ „ „ Sommers „ 21. Junius
„ u >. » » Herbstes „ 22. Sept.
„ „ „ d >, „ » Winters » 21. December
und man wird daher die Sonne 8, von der Erde aus gesehen, im An-fange dieser vier Jahreszeiten, im Frühlinge in der Linie e8u oder imWidder, im Sommer in der Linie 68k oder im Krebs u. f. f., kurz wie-der in denselben Sternbildern, wie zuvor, erbticken, so daß asto, wiegesagt, die Erscheinung der jährlichen Bewegung der Sonne um die ru-hende Erde ganz eben so gut auch durch eine Bewegung der Erde umdie ruhende Sonne dargestellt werden kann.
Welche dieser beiden Voraussetzungen ist nun die wahre? — Wirwollen die Gründe für und wider abwägen und zusehen, welche von bei-den den Ausschlag geben.
§. 55. (Die Sonne, als vorzüglichster Korper des Planetensvstems , stehtwahrscheinlich in der Mitte desselben.) Die Sonne ist bekanntlich die Quelledes Lichts und der Wärme, nicht bloß für unsere Erde, sondern noch füreine sehr große Anzahl anderer unserer Erde ähnlicher Himmelskörper,der Planeten und Kometen, also auch wohl, wenigstens höchst wahrschein-lich, die Quelle alter der Mannigfaltigen Bewegungen, welche wir andiesen Himmelskörpern bemerken. Um diese letzten für die zahllosenWohlthaten, welche sie von der Sonne erhalten, am meisten fähig undempfänglich zu machen, wird es wohl am angemessensten seyn, den Thronder Sonne in der Mitte aller anderen Bahnen, also auch in der Mitteder Erdbahn zu errichten, damit alle übrigen Körper ihres Systemes vonihren Strahlen gleichförmig erleuchtet und erwärmt werden können. —Allein Gründe dieser Art gehören mehr der Imagination, als dem Ver-stände, mehr der Dichtkunst, als der Mathematik an. Sie sind, wieso manche andere aus dem Gebiete der Metaphysik, auf eine vielleichtnur eingebildete Harmonie des Weltalls gebaut, die zu ergründen demmenschlichen Geiste wahrscheinlich immer unmöglich bleiben wird. Wennwir uns der Wahrheit mit sicheren Schritten nähern wollen, so müssenwir jene Abwege, die schon oft genug irre geführt haben, vermeiden unduns nur an solche Gründe halten, die entweder aus bloßen Beobach-tungen hervorgehen, oder die ein unmittelbares Resultat der Rech-nung sind, da diese beiden die zwei einzigen sicheren Grundlagen allermenschlichen Erkenntnisse sind.
H. 56. (Die Erde bewegt sich um die viel größere Sonne.) Etwas bes-ser werden wir verfahren, wenn wir auf die bereits bekannte Große derzwei Körper, um die es sich hier handelt, Rücksicht nehmen. Die Sonneaber ist, wie wir gesehen haben, eine Kngel von so ungeheuerer Große,daß man daraus nahe eine und eine halbe Million solcher Kugeln, wieunsere Erde ist, machen könnte. Welches mächtige, uns unsichtbareBand nun auch diese beiden Körper an einander knüpfen, welche Kraftden einen derselben um den andern führen mag, ist es nicht, auf denersten Blick schon, unendlich wahrscheinlicher, daß diese Kraft in demgrößeren wohnen, daß also der kleinere Körper sich um den so viel-mal größeren, nicht aber dieser um jenen sich bewegen werde? — WennSteine von sehr verschiedenem Gewichte an die beiden Endeemer Schnur befestigen und sie so verbunden in die Luft schleudern, so