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Zährliche Bewegung der Sonne
§. 50.
Fall seyn wird, und da dann die Sonne immer in dem Aeqnator einher-gehen muß, so würde, von dieser Zeit an, Tag und Nacht das ganzeJahr durch einander gleich seyn, oder die Erde würde einen ewigen Früh-ling feiern und die beiden Extreme der Temperatur, der Sommer undder Winter, würden ganz von ihr verschwinden.
II. Allein diese Hoffnung des ewigen Frühlings ist nngegründetund wohl eben so eitel, als die des ewigen Friedens, den uns der Abb<;St. Pierre so reizend geschildert hat. Es ist nämlicb, wie dieselbe Theo-rie zeigt, Mr annähernd wahr, daß die Schiefe der Ekliptik mit der Zeitimmerfort proportional abnimmt und die oben aufgestellte Formel gilt,streng genommen, kaum für das ganze gegenwärtige Jahrhundert. Fürdie früheren und folgenden Jahrhunderte muß die angeführte Zahl0.48368 immer, obschon nur wenig, geändert werden. Eine genauereUntersuchung dieses Gegenstandes zeigt, daß der analytische Ausdruckdieser Aenderung der Schiefe eigentlich gar kein der Zeit proportionalesGlied, sondern bloß periodische Glieder enthält, das heißt, solche, dieeine wenn gleich sehr lange Zeit durch wachsen und dann wieder abneh-men, um endlich, wenn sie ihren kleinsten Werth erreicht haben, wiederallmählig zu ihrem größten Heraufznsteigen. Diesem gemäß geht alsoder wahre Werth der Schiefe der Ekliptik zwischen den beiden Gränzenvon 21 und 28 Graden auf und ab, ohne dieselben je zu überschreiten undsie wird daher in der Folge der Zeiten eben so wenig mit dem Aegnatorzusammenfallen, als sie je in der frühesten Vorzeit senkrecht auf dem-selben gestanden ist. Diese Bewegung der Ekliptik ist aber so langsam,daß die Perioden, in welchen sie zwischen jenen beiden Bogen von siebenGraden wie ein ungeheures Pendel auf und niederschwingt, viele Jahr-tausende umfassen. Nach den Untersuchungen, die Lagrange über diesePerioden angestellt hat, war die Schiefe i. I. 29400 vor Chr. in ihremgrößten Werthe von 27" 31'. Seit jener Zeit nahm sie durch 15000Jahre ab, bis sie i. I. 14400 v. Chr. ihren kleinsten Werth 21" 20' er-reichte. Von da wuchs sie wieder durch 12400 Jahre, und war i. I.2000 v. Chr. in ihrem größten Werthe 23" 53'. Seit dieser Epochenimmt sie durch 86000 Jahre ab und wird i. I. 6600 nach Chr. ihrenkleinsten Werth 22" 54' haben, und endlich von da durch 12700 Jahrewieder wachsen, bis sie i. I. 19300 nach Chr. ihren größten Werth 25°21' erreichen wird.
Zum Schlüsse dieses Gegenstandes theilen wir noch einige Nachrich-ten über die oben erwähnten Astronomen des Alterthums mit, da wirim Folgenden keine Gelegenheit mehr haben werden, wieder auf sie zu-rück zu kommen.
Tschu-Kong, Bruder des Uwang, des Stifters der Dynastie Tschu,beherrschte China, während der Minderjährigkeit seines Liessen, von demJahre 1104 bis 1098 vor unserer Zeitrechnung. Das Andenken diesesvortrefflichen Fürsten ist jetzt noch, nach beinahe drei Jahrtausenden, derGegenstand der Verehrung lwi den Chinesen. In dem heiligsten ihrerBücher, dem Schu-king, detzen Verfasser der berühmte Cvnfucius ist,wird dieser Fürst eingeführt, wie er seinen Zöglingen die weisesten Grund-sätze der Moral und der Regierungskunst mittheilt. Von den vielen Be-obachtungen, die er selbst gemacht hatte oder von seinen Astronomen ma-chen ließ, sind nur drei auf uns gekommen, die ältesten von allen, diesich aus der Vorzeit erhalten haben. Die zwei ersten sind die oben er-wähnten Beobachtungen der Höhe der Solstitien in Loyang, und diedritte ist eine Bestimmung der Länge der Sonne zur Zeit des Winter-zolstitiums von derselben Epoche. Indem er die Sonne mit dem Stern e