Täalicke Bewegung der Erde. §. Zo—Zl.
reinen desselben nothwendigen Gewichten beschwert; — oder ein an seinenbeiden Enden befestigter, und in seiner Mitte frei hängender Haden,der unter dem Pole tiefer zu dem Horizonte herabsteigen, oder eine ganzandere Kettenlinie beschreiben würde, als unter dem Aequator; — allediese und noch manche andere Mittel sind, da sie in der That von ver-schiedenen Schweren auf verschiedene Weise afficirt werden, theoretischrichtig, und doch in der Ausführung ganz unbrauchbar, da die Beob-achtungsfehler, welche man dabei nicht vermeiden kann, in den darausabzuleitenden Resultaten Irrthümer erzeugen werden, welche die durchsie zu bestimmende Größe selbst, oft weit übersteigen können.
§. 30. (VI. Durch Spiralfedern) Da wir, wie man oben gesehenhat, mit dem eigentlichen Abwägen der Körper nicht zum Ziele kommenkönnen, weil die Schwere auf den abzuwägenden Körper und aufsein Gewichtgleich stark einwirkt, so wollen wir noch eine andere Kraft aufsuchen, die vonder Schwere wenigstens nicht unmittelbar afficirt wird. Eine solche ist z. B.die elastische Kraft einer Metallfeder. Denken wir uns also eine solcheSpiralfeder, die an ihrem obersten Punkte befestigt ist, und an ihremunteren ein Gewicht trägt, so daß der tiefste Theil dieses Gewichtes,eine unter ihr befestigte, wohl geglättete Tafel, z. B. von Agat, schonnahe berührt. Bringt man diesen einfachen Apparat unter den Pol, sowird man durch allmähliges Hinzufügen sehr kleiner Gewichte die Spi-ralfeder so weit verlängern können, daß das Gewicht mit der Steintafelin unmittelbare Berührung kömmt, was man ohne Zweifel mit großerSchärfe wird bewirken können. Wird dann derselbe Apparat, in allenseinen Theilen unverändert, unter dem Aequator aufgestellt, so kannwegen der hier kleineren Schwere das Gewicht nicht mehr bis zur Agat-tafel herabsteigen, und man wird daher dem ersten großen Gewichte nocheinige kleinere hinzufügen müssen, um auch hier den Contact wieder her-vorzubringen, ulid die bekannte Größe dieses neuen Gewichtes wird so-fort auch die Differenz der Schwere an beiden Beobachtungsorten ange-ben. Wenn es möglich ist, eine solche Spiralfeder zu verfertigen, beiwelcher ein Gewicht von 10000 Granen eine Verlängerung der Feder von10 Zollen hervorbringt, so würde eine Vermehrung dieses Gewichts voneinem Gran die Feder schon um den tausendsten Theil eines Zolles ver-längern, eine Größe, die man mit Hülfe unserer Microscope noch im-mer deutlich bemerken kann, so daß wir also, mit einem solchen Appa-rat, an jedem Beobachtungsort die Schwere desselben bis auf ihren zehn-tausendften Theil, also sehr genau, würden angeben können. Allein dieGleichförmigkeit der Ausdehnung solcher Federn, bei verschiedenen Ge-wichten, die Veränderlichkeit der elastischen Kraft, die Ausdehnung durchTemperatur, die Schwierigkeit des Transportes derselben, und viele an-dere nicht geringere Hindernisse werden wohl auch hier nur wenig Hoff-nung zu einem glücklichen Erfolge übrig lassen.
H. 31. (Uebersicht des Vorhergehenden.) So haben wir also bisherkeine anderen directen Beweise für die Umdrehung der Erde erhaltenkönnen, als die oben angeführten unmittelbaren Messungen derselben,die uns die Abplattung der Erde, als eine Folge ihrer Rotation, ken-nen gelehrt hat, und die Versuche über die östliche Ausweichung der vongroßen Höhen herabfallenden Körper. Allein die letzten wurden erst imJahre 1802 angestellt, da die ähnlichen früheren kein zuverläßiges Re-sultat gaben. Selbst diese ließen noch Manches zu wünschen übrig, dadie Fallhöhe von 200 Fuß noch zu klein war, und überdieß noch meh-rere Umstände das ganze Verfahren mehr für eine Schätzung, als für eineeigentliche genaue Messung gelten ließen. Ja selbst gegen jene erste Me-