Druckschrift 
Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Tägliche Bewegung der Erde.

1718.

beinahe gänzlich verschwindet. Diese Geschwindigkeit der Erde ist ebennicht viel größer, als die des Schalles, der nach den neuesten Versuchenin einer Minute 2.724 Meilen zurücklegt, während ein Punkt des Aequa-tors der Erde in dieser Zeit durch 3.75 M. geht. Ja weiter vom Aequa-tor, wird diese Geschwindigkeit-der Erde noch beträchtlich kleiner, weildie Parallelkreise der Erde, in deren Ebene jene Bewegung der Erde vorsich geht, in größeren Entfernungen °von dem Aequator, wie wir obengesehen haben, ebenfalls immer kleiner werden (H. 24). So bewegt sichWien, welche Stadt in dem Parallelkreise liegt, dessen Breite 48 Gradebeträgt (tz. 23), in einer Minute durch 2.5V M., Petersburg aber in derBreite von KV Graden nur durch 1.87 M. und noch näher bei den bei-den Polen der Erde wird endlich diese Bewegung so klein, daß man siebeinahe für eine absolute Ruhe hatten kann.

Welche ganz andere Geschwindigkeiten aber werden wir erhalten,wenn wir, gar zu sehr auf die Ruhe unserer Erde bedacht, dafür denganzen Himmel um sie in Bewegung setzen wollen. Der Mond z. B.ist, wie wir später sehen werden, nahe 52VVV Meilen von uns entfernt,also müßte er, wenn er seine Bahn um die Erde von 32673V Meilen in24 Stunden vollendet, in jeder Minute 227 Meilen zurücklegen, alsoüber sechzigmal geschwinder gehen, als jener schnellste Punkt des Erd-äquatvrs. Die Sonne aber, welche gegen 21 Millionen Meilen von derErde entfernt ist, müßte in jeder Minute 9VVVV Meilen zurücklegen,also über 24VV0 Mal geschwinder gehen, als jene Punkte der Erde.Und damit sind wir noch lange nicht an der Gränze dieser Geschwindig-keiten angekommen, da es Körper des Himmels gibt, deren Entfernungvon der Erde, wie wir bald sehen werden, so groß ist, daß selbst dieseungeheure Distanz der Sonne von 21 Millionen Meilen nur als einbloßer Punkt dagegen verschwindet. Mit welcher entsetzlichen, mit wel-cher unbegreiflichen Geschwindigkeit müßten diese Körper um unsere Erdegeschlendert werden, und man bemerke wohl, zu welchem Zweckemüßten sie es? Um uns in unserer Ruhe nicht zu stören. Als ob siealle nur wegen uns und unserer Bequemlichkeit willen, da seyn sollten!

H. 17. (II. Aus der Größe der übrigen Weltkörper.) Nicht minderunbillig, ja unbescheiden wird uns diese Voraussetzung einer ruhendenErde erscheinen, wenn wir bedenken, welche Massen wir dafür in Be-wegung setzen wollen. Die Sonne ist so groß, daß man aus ihr gegen15VV0VV chlcher Kugeln, als unsere Erde ist, formen könnte, und dochsoll dieser ungeheure Körper sich um einen iss^ Millionen Mal kleinerenbewegen, und zwar, wie wir gesehen, mit einer 24VVV Mal größerenGeschwindigkeit, als diese Erde selbst sich drehen müßte. Und wie vieleTausende von eben so grotzen und wohl noch größeren Körpern findenwir am Himmel, von welchen allen dieselbe höchst unwahrscheinliche Vor-aussetzung gelten müßte: daß das Große sich um das viel Kleinere, daßder ganze Himmel mit allen seinen zahllosen Gestirnen, deren Größeeben so unbegreiflich ist, als ihre Entfernung, sich um diese kleine Ku-gel, um einen Punkt bewegen soll, der gegen das übrige Weltall alsein wahres Nichts verschwindet, mch dieß alles bloß darum, weil wirnns nicht in unserer Ruhe stören lassen wollen, und weil dieser Punktunser Wohnort ist, dessen Existenz vielleicht den Bewohnern jener un-zähligen und von ihm so weit entfernten Himmelskörpern nicht einmalbekannt seyn mag.

H. 18. (III. Aus der Gleichförmigkeit der Bewegung so vieler Him-melskörper.) Uud welcher Art ist diese Bewegung, IN welcher wir allediese Korper um unsere Erde führen wollen? Eine ganz gleichför-