§. IS.
Tägliche Bewegung der Erde.
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mige. Alle, die kleinen wie die großen, die nahen wie die fernen, allesollen sich genau in derselben Zeit, in vier und zwanzig Stunden,um uns bewegen. Welches auch die unbegreifliche Kraft der Erde seynmag, so unglaubliche Erscheinungen hervorzubringen, so müßte sie doch,den Gesetzen der Mechanik gemäß, auf die ihr näheren Körper anderswirken als auf die entfernten, wäbrend sie im Gegentheile hier alle gleichbetheilt, und auf den uns nahen Mond nicht anders als auf die Billio-nenmal weiter entfernten Fixsterne wirkt. Alle, ohne Ausnahme, wer-den von dieser Kraft mit einer Regelmäßigkeit in dem Weltraume fort-geführt, daß auch nicht einer derselben eine Secunde zu früh oder zuspät kömmt, als ob ihre ganze Bestimmung nur die wäre, unsere Uhrenzu reguliren, und uns das alle Nächte wiederkommende Schauspiel ihrereinförmigen Prozession aufzuführen.
H. 19. (lV. Aus dem Mangel des Mittelpunkts dieser Bewegung ) Ja,diese abenteuerliche Kraft der Erde zugegeben, wo sollen wir den eigent-lichen Sitz derselben aufsuchen? Doch wohl in dieser Erde selbst undzwar in dem Mittelpunkte derselben. — Aber die tägliche Rotation desHimmels geht ja nicht eigentlich um den Mittelpunkt der Erde, sondern,wie wir gesehen haben, um die Are derselben, oder sie geht in paralle-len Kreisen vor sich, deren Mittelpunkte alle in dieser Axe (H. 24), ineiner geraden Linie, liegen, von welchen nur der kleinste Theil Mit derErde selbst zusammenfällt, während die beiden übrigen Seiten derselbensich bis an den endlosen Himmelsraum erstrecken. Die Kraft, welchejeden Stern in seinem Parallelkreise treibt, muß doch wohl in dem Mit-telpunkte dieses Kreises liegen. Allein dieser Mittelpunkt ist bei denmeisten Sternen ganz außer der Erde und in einer Entfernung von ihr,gegen die sie selbst als ein bloßer Punkt verschwindet. Dieser Mittel-punkt des Kreises, dieser Sitz jener sonderbaren Kraft ist also ein blos?imaginärer, ein ganz leerer chunkt im Welträume. Und da sich, wiewir gesehen haben, diese Sterne immer langsamer bewegen, je näher sieden deiden Polen kommen, so fordert auch jeder von ibnen eine eigene,immer abnehmende Kraft, und der Sitz aller dieser jo äußerst verschie-denen Kräfte, zu beiden Seiten der Erde, in's Unendliche hin, ist einebloß eingebildete, durch nichts bezeichnete, gerade Linie. — Solchen Un-wabrscheinlichkeiten, solchen Widersprüchen müßten wir uns aussetzen,bloß um unsere eigene, so theuer gewordene Ruhe zu retten. Denn wiewir uns entschließen, anzunehmen, daß wir es sind, die wir uns, samtunserer Erde, täglich um ihre Ave bewegen, so fallen sofort alle jene,früher so unbegreiflichen Einwürfe weg, und das ganze, erst >o rätsel-hafte Phänomen, steht nun in seiner Ursache rein und klar vor unserenAugen. Wenn wir daher nicht wieder zu dem krystallenen Himmel derAlten unsere Zuflucht nehmen und mit ihnen voraus>etzen wollen, daßalle Gestirne an einer soliden Kugelschale, wie Diamantnägel an einemschwarzen Sammtgewvlbe, befestigt sind, eine Annahme, che nnt allenunseren Beobachtungen über die Entfernung der Himmelskörper im di-recten Widersprüche steht, und die wir auch schon wegen der beweglichenGestirne, die wir bald näher kennen lernen werden, als ganz unzulässigvon uns weisen müßen, — wenn wir, sage ich, noch Sinn für Wahr-heit und für Ueberzeugung durch Vernunftgrüude haben wollen, jo bleibtnichts übrig, als die ^Hypothese von der Ruhe der Erde als unstatthastzu verwerfen, und dafür jene andere Voraussetzung, von der täglichenBewegung derselben um ihre Axe, als die einzig wahre anzuerkennen.
Wenn aber das Vorhergehende nur von der Unzulässigkeit der Ruheder Erde zeugt, also gleichsam nur als ein negativer Beweis für die Be-