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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
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§. 3. Gestalt der Erde. 27

wir auch gewohnt seyn mögen, die Erde als das Symbol der Festigkeitzu betrachten, und so sicher wir uns auch bisher dünken mochten, wennwir nur unseren Fuß auf diedauernde, wohlbegründete Erde" setzenkonnten. Denn welcher Art könnte jene Unterlage wohl seyn, wenn siedie ganze schwere Erde tragen, und nicht selbst wieder einer anderenUnterlage bedürfen sollte, und worauf würde die letzte aller dieser Un-terlagen selbst ruhen? Jene Gestirne endlich, wenn sie, wie wir gesehenhaben, ihre Bahnen unter der Erde fortsetzen, sollen sie jene Unterlagevermeiden, oder durchbrechen, oder in zahllosen Kanälen sich ihre Wegedurch dieses Hinderniß bahnen? Wir werden also wohl auch dieseganze Unterlage aufgeben, und annehmen müssen, daß die Erde nichtnur in horizontaler Richtung, sondern auch auf ihrer unteren Seite eben-sowohl ein begränzter Körper ist, wie wir dieses auf der oberen Seitederselben, auf der wir uns selbst befinden, bemerken. Welche Gestaltalso diese unsere Erde auch haben mag; sie ist ein ringsum abgeschlos-sener Körper, dessen Oberfläche in allen seinen Theilen, mit der sie um-gebenden Luft, oder doch mit dem übrigen Weltraume in Verbindungsteht, und da sie, wie wir gesehen Haben, keine Unterlage haben kann,wenn anders noch die Sterne sich um sie bewegen sollen; so bleibt nichtsübrig, als anzunehmen, daß sie frei in diesem Weltraume schwebe,oder daß irgend ein unsichtbares, ein uns unbekanntes Band sie an die-ser Stelle des Himmels festhalte. Ein kühner Gedanke für den, der ihnzuerst gedacht hat, obschon er, wenn er anders folgerecht denken sollte,beinahe dazu gezwungen wurde.

H. 3. (Kugelgestalt der Erde.) Noch ist drittens die äußere Formdieser im Himmelsraume freischwebenden Erde zu bestimmen übrig. Hatsie die Gestalt eines Würfels, eines Cylinders oder irgend eines andernKörpers? Solche Fragen können offenbar nicht durch Schlüsse, sondernsie müssen durch Beobachtungen entschieden werden, und gewiß, wennwir unsere Erde aus recht großer Entfernung, etwa aus dem Mondesehen könnten, wir würden mit dieser unserer Untersuchung bald im Rei-nen seyn. Da wir aber an sie gebunden, und da alle Wege, die zumMonde führen, uns unbekannt sind, so wollen wir uns wenigstens soweit über sie erheben, als wir eben dürfen, um, weil wir das Ganzenicht übersehen können, doch einen möglichst großen Theil desselben zuerblicken.

Unsere Berge, besonders die isolirt in der Ebene stehenden, bietenuns dazu ein gutes Mittel. Und wie erscheint uns da der Theil derErde, den wir vom Gipfel jener Berge übersehen ? Durchaus in derGestalt eines Kreises, über dessen Mittelpunkt wir selbst zu stehenglauben. Immer sehen wir die äußersten Gegenstände der Erde, die un-seren Gesichtekreis begränzen, in gleicher Entfernung von unseren Au-gen, und alle gleich tief unter uns. Die schärfsten Messungen mitdazu geeigneten Instrumenten bestätigen diese Erscheinung vollkommen,und auf der hohen See tritt sie, selbst auf den ersten Blick, als einenicht weiter zu bezweifelnde Thatsache hervor. Die Schiffer nehmen beiallen ihren Beobachtungen aus diese Erscheinung Rücksicht, die bei ihnenunter der Benennung der Depression des Horizonts (Einl. H. 8)bekannt ist.

Wenn uns aber die Oberfläche der Erde überall, wo wir sie aus ei-nem Punkte über ihr betrachten, von einem Kreise begränzt erscheint,so muß diese Erde selbst offenbar die Gestalt einer Kugel haben, danur bei der Kugel in allen ihren Theilen jene Erscheinung Statt ha-ben kann.